Archiv Predigten

ausgewählte PredigtEN  der Ev. Kirchengemeinde Erfurt-Südost sind hier für einen Monat nach dem Erscheinen bzw nach dem jeweiligen Gottesdienst nachlesbar bzw nachhörbar

Gottesdienst zum Konfirmationsjubiläum

Gottesdienst zum Konfirmationsjubiläum

Am 11. September ab 10 Uhr feiert Pfarrerin Sydow mit Ihnen in der Gustav-Adolf-Kirche das Konfirmationsgedächtnis

Lesen und hören Sie hier Predigt und Lied zum Tag

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Jubilare,

es gibt Momente im Leben, da ziehen wir ein wenig Bilanz, was habe ich im Leben erreicht, was habe ich geschafft, worauf bin ich stolz, wo bin ich gescheitert, welche Träume erfüllten sich, welche Wünsche blieben unerfüllt?

Klassentreffen, runde Geburtstage, auch Beerdigungen und Jubiläen sind Anlässe, sich zu fragen , wo stehe ich im Leben, wo komme ich her, wie habe ich mich entwickelt als kleine Schülerin damals oder als jungen Konfirmandin?

Im Leben gibt es kein Navigationsgerät, das uns den Weg führt, das uns sagt : Sie haben ihr Ziel erreicht. Viele Wege müssen wir selbst finden, es gibt Umwege und unvorhergesehene Wendungen, die das Leben bunt , einmalig und überraschend machen im positiven wie im negativen Sinne.

The Big Way, 1955 - Friedensreich Hundertwasser - WikiArt.org - Enzyklopädie der visuellen Künste

Es gibt dieses Bild von dem Künstler Friedensreich Hundertwasser, „ der Große Weg“ genannt und er hat mit diesem Bild ein Spiralbild gmalt, keine geraden Linien, keine schnurgerade Autobahn, er wählte runde Formen, unregelmäßige Linien, es gibt Hindernisse, der Weg eine Spirale, wo Anfang und Ende ist, bleibt jeder selbst überlassen, führt der Weg von innen nach außen oder doch umgekehrt, von außen nach innen oder läuft alles Leben auf eine Mitte zu, auf ein Zentrum, das Zentrum des Bildes gemalt in intensivem Blau, die Farbe, die in der Kunst den Himmel symbolisiert, blau steht für Transzendenz, für den Himmel , ja für Gott selbst, den Grund und die Mitte des Lebens.

Die Farben des Weges ändern sich, mal blutrot, voller Leben, mal tiefblau wie Wasserströme, mal grün wie eine Sommerwiese., mal breit, mal schmal.

Lebenswege entstehen, in dem wir sie gehen.mit 14 oder 15 Jahren steht man in den Startlöchern, will losgehen, will etwas erleben, etwas werden, in den 20 er Jahren ist man schon ein wenig erwachsen., manche heiraten und bekommen Kinder, gründen Familien, steigen auf in der beruflichen Laufbahn, In diesen Jahren bis zum 50. Lebensjahr hat man wenig Zeit, unheimlich viel zu tun und überhaupt ist man der Meinung, das alles immer so weiter geht.

Mit 50 wird die Hintergrundsmusik stärker, Eltern sterben, Freunde verliert man, es wird deutlich, das wir nicht das ewige Leben haben. Mit 60 oder 70 Jahren wird das Wissen um die Endlichkeit des Lebens noch intensiver, aber auch in diesen Jahrzehnten gehen wir unseren Weg, erleben ihn, gestalten ihn.

Entscheidungen fallen im Leben , oft sind es Kreuzigen, entweder geht da entlang oder es geht in die andere Richtung, wir begegnen Menschen, Neues tut sich auf, oft müssen wir Kompromisse eingehen und uns selbst zurücknehmen.

Wenn wir uns erinnern, wenn wir alte Fotos anschauen, dann unternehmen wir so etwas wie eine kleine Zeitreise, schauen zurück und sehen wie sich vieles entwickelt hat.

Sie haben heute das Evangelium vom barmherzigen Samariter gehört, die 2 , die am ausgeraubten Menschen vorbei eilen, der dritte, der sich erbarmt. Und das gehört eben auch zum Rückblick, haben wir geholfen, wenn es nötig war, haben wir Zeit gehabt für den Nächsten, haben wir Leid bemerkt und uns aktiv bemüht es zu lindern? In der Geschichte vom barmherzigen Samariter wird deutlich, dass sich Gott auch ereignet in unserem Tun und Lassen und im Bereich der Mitmenschlichkeit. Auch dort ist Gott zu erfahren und zu erleben. Haben Sie in Ihrem Leben Hilfe zu rechten zeit erfahren, stand Ihnen ein andere Mensch bei? War Gott Ihnen nahe, wenn es Ihnen gut ging und wenn es Ihnen schlecht ging?

Das Bild von Friedensreich Hundertwasser „Der große Weg“ ist für mich ein Bild für den Weg, auf dem Gott uns Menschen stellt. Der Ruf, sich immer wieder auf den Weg zu machen, durchzieht die Bibel. Fast scheint im Losgehen die Chance zu liegen, das Leben und Gott überhaupt erst zu erfahren. Und gleichzeitig darauf zu vertrauen, dass wir als seine gesegneten Kinder unterwegs sind.

Ich sehe uns alle auf dem Weg laufen. Keiner und keine kann sagen, wo sie gerade auf dem Weg ist, ob schon fast am Ende oder nicht mitten drauf. Keiner kennt die Wegstrecke des Lebens im voraus..

Nur eines glaube ich zu erkennen, dass der Weg ein Ziel hat, in der Mitte des Bildes tiefblau, die Farbe des Himmels und der Unendlichkeit.

Es ist das Taufwasser vom Anfang des Lebens, es ist der Konfirmationssegen, es ist alle Hilfe und Behütung, die wir erfahren haben.

Wo das Leben uns noch hinführen wird, wir wissen es nicht. Wir können nur unseren Weg weitergehen im Vertrauen und in der Zuversicht, das wir von Gott begleitete und gesegnetes sind.

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus Amen.


Text: Ämilie Julian von Schwarzburg-Rudolstadt (vor 1685) 1699,
Melodie: Peter Sohren 1668, Halle 1704 "Du Lebensbrot, Herr Jesu Christ" -
Evangelisches Gesangbuch Nr. 329,
aufgenommen in der St.-Georg-Kirche in St. Jürgen bei Bremen

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