Archiv Predigten

PredigtEN  der Ev. Kirchengemeinde Erfurt-Südost sind hier für einen Monat nach dem Erscheinen bzw nach dem jeweiligen Gottesdienst nachlesbar bzw nachhörbar

"Vom Paradiesgarten"

"Vom Paradiesgarten"

Willkommen in unserer Gemeinde

Mit Musik und Texten wollen wir vom Paradiesgarten erzählen.
In unserer Stadt findet in diesen Monaten die Bundesgartenschau statt.
Dieser Gottesdienst soll ein kleiner Beitrag zur großen BUGA sein

Gottesdienst  "Vom Paradiesgarten"

Sonntag, 27. Juni 
09:30 bis 10:15 Uhr  Ort: Erfurt Gustav-Adolf-Kirche

11:00 bis 11:45 Uhr Ort: Erfurt Lukaskirche

mit Pfarrerin Sydow


 

EG503
Text: Paul Gerhard
Melodie August Harder
Satz: Bernd Liffers


Die Gnade Gottes, die Liebe Jesu Christi und die Gemeinschaft des hlg Geistes sei mit uns allen.
Amen

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde

Die Bibel erzählt vom Anfang, vom Anfang der Welt, vom Anfang der Schöpfung, erzählt vom Paradies, als einem Raum mitten in der Welt, umhegt, abgeschlossen, von Gott selbst angelegt

Gott als Kreator, als Ideengeber für Entwicklung und Evolution setzt in Gang, denkt sich Natur, Tier und Mensch aus, gibt den Anstoß und schenkt diesen großartigen Anfang: und siehe es war sehr gut, sagt Gott zufrieden zu sich selbst, die Bibel betont den guten Anfang , betont die gelungene Schöpfung, das ungetrübte Verhältnis zwischen Mensch und Gott, Mensch und Tier, es gibt noch keine Erfahrung der Trennung voneinander.

Und Gott schenkte den Menschen einen Garten, ein Paradies und in dieser uralten Geschichte finden Sie alles erzählt was für den Menschen wesentlich ist, das ganze Glück und das ganze Leid.

Vielleicht lieben Menschen ja deshalb die Gärten- wegen des verlorenen Paradieses, bauen wir in Schrebergärten an, bepflanzen Balkone und Vorgärten, stellen Blumen in unsere Zimmer, besuchen Parks und große Gärten, gehen zur egal und besuchen Bundesgartenschauen , vielleicht liegt es am verloren gegangenen Paradiesgarten . Es gibt eine große Liebe der Menschen zu ihrem Garten.

Ein Garten schenkt Glück, vielleicht haben Sie Ihre Kindheit in einem Garten verbringen dürfen, vielleicht hatten Sie liebe zu dem früheren Schulfach Schulgarten, haben die Freude empfunden, wenn etwas gesät worden war, das später wuchs und geerntet werden konnte,

vielleicht haben Sie gern Blumen gepflückt

was wächst nicht alles in den Gärten: Salat und Tomaten, Radieschen und Erdbeeren, Ringelblumen und Rosen

Gott schenkte den Menschen einen Garten, mitten in der Wüste, weit im Osten, so beginnt die Bibel

Wir erleben einen Gott, der liebevoll und fürsorglich ist, Gott liebt sein Geschöpf aus Erde, den Menschen, sein Wesen aus Leib und Seele, Körper und Atem

Und gern bebauen wir unseren Garten, bewahren ihn, pflegen und hegen und genießen ihn.

Wir dürfen diese uralte Geschichte weder belächeln noch gering achten, wir stehen mit dieser Geschichte an den Urgründen unseres menschlichen Lebens, es wird die ursprüngliche und tiefe Wahrheit erzählt von Gott und Mensch. Die Bibel gerät fast ins schwärmen, es ist der Garten Eden, das Paradies, da steht der Baum des Lebens in der Mitte, da fließen die Gegenströme in alle vier Richtungen der Welt, Wasser in Fülle, alles ist wohl geordnet , voll Harmonie und Schönheit.

Dann trennte sich der Mensch von Gott, ging des Paradieses verlustig, bis heute.

Unsere Bäume sterben, alle Bäume rund um mein Elternhaus im Thüringer Wald wurden in den letzten Wochen abgeholzt, stand unser Haus früher beschirmt und behütet von uralten Bäumen, so ist jetzt alles kahl und leer und bis dort jemals wieder hohe große Bäume stehen, bis dahin bin ich tot und werde das alles nicht mehr sehen. Klimawandel, übergroße Hitzezeiten und der Borkenkäfer haben dem Wald um unser Haus den Garaus gemacht.

Tierarten werden ausgerottet, Bodenschätze geplündert, es gibt zu wenig Wasser in vielen Teilen der Erde

Ich habe in den letzten Wochen eine kleine Biografie über Sophie Scholl gelesen: Sie schrieb 1942 in einem Brief: Der Mensch bringt es fertig, den Gesang der Natur zum lobe Gottes zu überbrüllen mit Kanonendonner und Flüchen und lästern.

Paradies und Antiparadies beides ist Realität

Beides kennen wir.

Das Paradies und das Antiparadies, Glück und Leid, Hoffnung und Enttäuschung, Sehnsucht und Verzweiflung.

Es kann nicht alles nur Paradies sein, das wissen wir, denn wir sind erwachsen geworden

Auf dem Weg zum Erwachsenwerden gehen uns viele Paradiese verloren, die Erinnerung an das Paradies der Kindheit, das bleibt uns.

Erwachsen werden heißt auch zu merken, dass die Welt und die Menschen an vielen Stellen nicht gut sind, vieles erleben wir nur noch in einem gebrochenen Maß

Es gibt Menschen, die anderen bewusst schaden wollen

Es gibt Kriege, die sind so komplex, dass sie einfach nicht beendet werden können

Es verhungern Menschen, es sind Millionen auf der Flucht und oft resignieren wir

Man kann die Paradiesgeschichte so auslegen, dass gesagt wird, durch die Schuld des Menschen ging das Paradies verloren

Man kann aber auch eine andere Deutung wagen:

Ich denke, die Bibel erzählt einfach davon, wie es ist, ein Mensch zu sein

Es wird vom Leben im Paradies am Anfang erzählt

Aber dieser Anfang ist ja nicht einfach weg, sondern begleitet uns immer, läuft gewissermaßen durch unser Leben mit, wir haben das Paradies immer auch in uns

Und immer wieder beginnt das Leben neu, immer wieder erleben wir ein Stück vom Paradies und immer wieder geht es uns auch verloren

Wir erleben besonders schöne Zeiten und Zeiten, die enttäuschend sind und bitter, wir sind begeistert und manchmal auch verzweifelt, stehen mitten im Leben oder auch am Rand, wir genießen das Leben , kennen aber auch die Schattenseiten des Daseins, Glück und leid

So ist das Menschsein

Die Fragen, die sich mir stellen , sind weniger: Wie werden wir gerettet oder gerechtfertigt?
In dieser Beziehung gebe ich mich vertrauensvoll in Gottes Hand

Es sind eher die Fragen: Was soll und was kann ich tun?

Wie will ich sein als Mensch? Welche Möglichkeiten habe ich? Wofür will ich mich einsetzen?

Ich sehe die Geschichte vom Paradies , von der Entstehung der Welt als eine Aufforderung an mich, an uns, sich einzusetzen.

Ich höre die Aufforderung an uns: verantwortlich zu handeln, Ehrfurcht zu haben vor dem Leben, anderen Menschen , den Tieren, den Pflanzen gegenüber Respekt zu haben, zu wissen, alles in der Natur hängt miteinander zusammen, bebauen und bewahren, das ist der Auftrag und nicht verschwenden und ausbeuten und zerstören.

Gott handelt fürsorglich, er zerstört nicht , er schafft Räume zum Leben, ist kreativ, schenkt Leben und Neuanfang, er macht Hoffnung und verheißt dem Menschen Zukunft.

Daran will ich mich halten. Amen

Und der Friede Gottes….

 
 

EG 507 Text: Dresden 1767
Melodie: Luxemburg 1847
Arrangement: Michael Schütz
© Strube-Verlag
Judith Kamphues, Gesang
David Menge, Gesang und Instrumente

 

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