Archiv Predigten

ausgewählte PredigtEN  der Ev. Kirchengemeinde Erfurt-Südost sind hier für einen Monat nach dem Erscheinen bzw nach dem jeweiligen Gottesdienst nachlesbar bzw nachhörbar

Silvester-Gottesdienste 2021

Silvester-Gottesdienste 2021

Zum Ende des Jahres 2021 lädt OGP Thomas Riedel Sie zum Jahresend-Gottesdienst 

ab 15 Uhr in die Lukaskirche und

ab 17 Uhr in die Gustav-Adolf-Kirche ein.

Thomas Riedel und Pfarrerin Susanne Sydow richten hier nun zu Silvester noch einmal einige Worte an Sie
 


Die EKMD richtet sich mit diesem Audio- Beitrag am letzten Tag 2021 an Sie

 

Thomas Riedel:

Predigt zu Matthäus 13,24-30

Liebe Leserinnen und Leser,

Lolium temulentum, lat. für Lolch. Wahrscheinlich geht es Ihnen genauso wie mir, ich habe bis vor kurzen noch nichts über Lolch oder Lolium temulentum gewusst. Diese Pflanze ist aber ein wichtiges Bild in unserem Gleichnis. Martin Luther hat diese in Palästina bekannte Pflanze für uns verständlicher als Unkraut betitelt. Aber um das Gleichnis Jesu besser zu verstehen, macht es Sinn, sich kurz darüber auszutauschen, was diese Pflanze ausmacht.

Ich habe folgendes herausgefunden: Es handelt sich um eine giftige Grasart, die in Palästina auf Weizenfeldern vorkommt. Die Halme wachsen bis 70 Zentimeter hoch. Solange der Lolch in seiner Ähre ist, besitzt er eine große Ähnlichkeit mit dem Weizen. Aber wenn er dann aufblüht, wenn die Ernte näher rückt, können die beiden Pflanzen unterschieden werden. In Palästina kann man immer wieder beobachten, wie Frauen und Kinder die großen Stängel des ziwên, wie er von den Arabern genannt wird, aus dem Feld herauspicken.

Es ist also gar nicht leicht, den Lolch vom Weizen zu unterscheiden. Bis zu einem bestimmten Punkt sehen sie sich so ähnlich, aber im Inneren unterscheiden sie sich essenziell. Mit dieser Information verstehen wir die Entscheidung Gottes noch besser, mit dem Ausjäten bis zur Ernte zu warten. Denn das Risiko, den Weizen auszureißen, das Gute, das nährt und Frucht bringt, und das Unkraut stehen zu lassen, ist viel zu hoch.

Vielleicht kennen Sie ja auch Situationen, in denen Gutes und Schlechtes Hand in Hand gehen. Oder in denen man sich fragt, warum so viel Schlechtes in der Welt und vielleicht auch in unserem Leben passiert. Die bekannte Frage „Warum lässt Gott das zu?“ ist für manch einen auch ein Scheidepunkt, sich von Gott abzuwenden.

Manches entpuppt sich auch erst im Laufe der Zeit und zeigt erst dann sein wahres Gesicht. „Gut Ding will Weile haben.“, so sagt man. Die Frage ist, ob man so lange aushält, bis alles gut ist. Aber genau dazu macht uns die Bibel Mut. Das will uns das Gleichnis sagen. Ja, jetzt und hier gibt es manchen Lolch, manches Falsche und Verlogene, aber Gott belässt es nicht dabei. Er wird Recht sprechen. Zum richtigen Zeitpunkt wird er die Spreu vom Weizen trennen. Und deswegen macht uns die Bibel Mut, an Gott dranzubleiben, nicht zu verzagen.

Lassen Sie uns noch kurz in diesem Bild des Weizenfeldes bleiben. Denn, trotz dass sich im Weizenfeld manch Lolch versteckt, geht über diesem Feld jeden Tag die Sonne auf, der Regen fällt und der Weizen bekommt die Nährstoffe aus dem Boden, die ihm guttun. Er bekommt das, was er zum Wachsen braucht. Gott ist mit ihm!

Zum Jahresende gibt es oft Jahresrückblicke. Wenn wir zurückblicken in dieses vergangene Jahr, dann mag es Schwieriges, Herausforderndes, aber auch Gutes gegeben haben, das gewachsen ist, wofür wir Gott dankbar sein dürfen. Bei mir persönlich sind es z. B. meine Familie, meine Kinder, aber auch einige schöne erfolgreiche Veranstaltungen und Entwicklungen in unserer Gemeinde. Sei es das Repaircafé, die Müllsammelaktion, das Geocaching, die Familiennachmittage und einiges mehr.

Aber es gibt auch Entwicklungen, die mir Sorgen machen, z. B. die gefühlt zunehmende Spaltung in unserem Land. Die Menschen, die sich von den Entscheidungen der Politik nicht mitgenommen fühlen. Mir macht Sorgen, wie viel Gewalt in manchen Mitmenschen steckt. Dass sie anderen drohen und manch einem sogar der Tod gewünscht wird. Ich frage mich, wie kann das weitergehen, wenn hier in Thüringen so viele Menschen einer Partei ihre Stimme geben, die offensichtlich nicht an Demokratie und Mitmenschlichkeit interessiert ist. Bis hin zu den radikalen Kräften, die es ja noch zusätzlich gibt. Wie kann das in unserem Land solche Blüten treiben? Warum lässt die Mehrheit der Menschen das zu und schiebt dem keinen Riegel vor? Warum zeigen viele Menschen kein Gesicht und lassen das alles geschehen? Und auch ich muss mich fragen: Wie reagiere ich? Was liegt in meiner Macht? …

Vielleicht ist es ja so ähnlich wie in unserem Gleichnis, in dem sich der Lolch erst in voller Blüte zu erkennen gibt und dann erst bearbeitet werden kann. Vielleicht braucht manches einfach noch Zeit. Aber es ist schwer zu ertragen…

Das Gleichnis stellt nicht nur die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt, sondern macht uns Mut auf Gott zu vertrauen und nicht zu denken, Gott bliebe untätig. Wir sind von guten Mächten treu und still umgeben.

Vielleicht tut es Ihnen ja auch gut, einen kurzen persönlichen Jahresrückblick zu machen? Mit den Gedanken einmal durch dieses Jahr 2021 zu reisen. Was ist gelungen? – Wofür kann ich dankbar sein? Was war schwer? – Was möchte ich an Gott abgeben? Was möchte ich mitnehmen ins neue Jahr? – Was möchte ich verändern?

>Nehmen Sie sich Zeit zum Nachdenkens<

Es tut gut, all das, was uns bewegt, vor Gott zu bringen. Wir haben am Anfang ein Lied von Jochen Klepper gesungen. Er selbst erlebte schwere Zeiten während des Nationalsozialismus, der ihn letztlich auch zerbrach, aber er hielt bis zum Schluss fest an Gott. So dichtete er: „Der du die Zeit in Händen hast, Herr, nimm auch dieses Jahres Last und wandle sie in Segen“ (EG 64,1).

Das wird definitiv geschehen, Gottes Zusage steht über allen Situationen. Er hat uns gesegnet und er wird uns segnen. Dies ist die Zusage Gottes aus der Weihnachtsgeschichte: „Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; 11 denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“ LK 2

In der Verbindung mit Christus brauchen wir keine Angst vor der Zukunft zu haben.

Fürchtet euch nicht vor dem neuen Jahr und was es bringen mag.

Fürchtet euch nicht vor den anstehenden Herausforderungen.

Fürchtet euch nicht, denn Christus spricht: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Mt.)

Oder wie es Dietrich Bonhoeffer gedichtet hat: Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jeden neuen Tag.

Ich wünsche Ihnen diese Zuversicht und ein gesegnetes Jahr 2022.


Susanne Sydow:


 

Die Gnade Gottes, die Liebe Jesu Christie und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen

Liebe Schwestern und Brüder,

ich weiß nicht, wie Ihre persönliche Bilanz des Jahres 2021 aussieht. 2021 geht in den nächsten Stunden zu Ende. Wenn ich meine Bilanz des Jahres ansehe, dann fällt das Ergebnis durchaus durchwachsen aus. Wir haben eine neue Wohnung beziehen können im März diesen Jahres . Das neue Zuhause befindet sich in Dittelstedt und einige der Gemeindemitglieder haben mich dort auch schon besucht und auch wenn ich das Gemeindezentrum mit seinen vielen Begegnungsmöglichkeiten manchmal vermisse, ist das neue Zuhause für uns wirklich ein Zuhause geworden, in dem wir sehr gern wohnen und leben. Mit Ihnen teile ich die Last der Pandemie, sie ist immer noch nicht zu Ende, wir sind eingeschränkt in unseren Möglichkeiten, manchmal sind wir vielleicht auch fast verängstigt gewesen ob der Nachrichten, die uns hinsichtlich des ständig sich verändernden Coronavirus erreicht haben. Unsere Gemeindearbeit ist mühsamer geworden, wir haben viel von unserer früheren Leichtigkeit verloren. Vielleicht hat Sie auch ein Schicksalsschlag in Form eines Todesfalles oder einer sehr negativen Krankheitsdiagnose getroffen. Was für ein Jahr 2021, mir fällt es etwas schwer, freudig auf das neue Jahr zuzugehen.

Das Evangelium, das wir eben im Gottesdienst hörten, ist ein Gleichnis das Jesus erzählte und das wir im Matthäusevangelium ( 13, 24-30) aufgeschrieben finden.

Gute Saat ist gesät, ein Feind, das Böse oder wie immer Sie es nennen wollen, verstreut unter den guten Getreidesamen Unkraut. Die Möglichkeit, es sofort auszureißen, lehnt Jesus ab und verweist auf die Zukunft, das sich am Ende alles richten wird, das am Ende tatsächlich eine Auslese stattfinden wird, das Gute wird vom Schlechten getrennt, Getreide vom Unkraut, Weizen vom Unnützen.

Das Unkraut läßt er wachsen und sagt, es kommt die Zeit, da es vernichtet werden wird.

Hektischem Aktionismus wird von Jesus eine Absage erteilt, statt dessen die Hoffnung, es kommt eine Zeit, in der vieles geklärt wird.

Was würden Sie als Unkraut unter den Menschen bezeichnen? Unsere Gier, unseren Egoismus, die Lügen, die zwischen Menschen stehen, unsere Antworten werden unterschiedlich ausfallen.

Wenn wir auf die Entwicklung der Menschen ganz allgemein und im Überblick zurückschauen, dann werden wir zugestehen, dass sich vieles zum Guten gewendet hat, ich nenne nur einige Punkte: der Mißbrauch von Kindern ist vom Kavaliersdelikt zur Straftat geworden, gleiches gilt für häusliche Gewalt und Vergewaltigungen, Menschen, die nicht der üblichen Norm entsprechen, also anders sind in ihren Lebenswünschen, homosexuell, transgender, um nur einiges zu nennen, diese Mitmenschen sind gleichberechtigt oder doch fast. An dieser Stelle wurde viel vom Unkraut des Hasses und der Frauen und Menschenverachtung ausgerissen, aber es mußte die Zeit dafür erst kommen.

Wir haben die Konvention der Menschenrechte, wir haben ein Grundgesetz in Deutschland und zwar ist das entstanden nachdem das alles verachtende Regime des Nationalsozialismus kapitulieren mußte und am Ende war.

Es ist noch viel zu tun, es gibt viel Unrecht, viel Gewalt, viel Ungerechtigkeit, viel Gemeinheit.

Ich glaube, es ist immer etwas zu tun.

Manche Philosophen nennen ja die Coronaepidemie eine Zeitenwende, wie in einem Brennglas wird deutlich, was alles eigentlich nicht mehr geht: der überbordende Konsum, die weiten Flugzeugreisen, die Wegwerfgesellschaft, die Ignoranz gegenüber der zerstörten Natur, die politische Uneinigkeit , den Flüchtlingen gegenüber in irgendeiner Weise gerecht zu werden.

Vielleicht ist Corona ja tatsächlich diese Zeitenwende weg vom immer mehr, immer schneller, immer höher.

Vielleicht müssen wir im reichen Teil der Erde auch wieder lernen, dass es im Leben die totale Kontrolle und die totale Sicherheit noch nie gegeben hat, das das Leben einfach etwas Unsicheres an sich hat, das wir verletzlich sind und verwundbar, das wir aus jedem Tag das Beste machen müssen zum eigenen Nutzen aber nicht zum Schaden unserer Mitmenschen oder unserer Nachkommen.

Vielleicht dürfen wir uns im Leben nicht von der Angst leiten lassen, sondern von der Hoffnung, von der Liebe, vom Verstand und von der Vernunft.

Unser Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat in einer seiner ersten Reden vor dem Bundestag ein paar Sätze gesagt, die mir gut gefallen haben:

Wir müssen zusammenhalten

Wir müssen einander vertrauen

Ich glaube an uns.

Die Zeiten waren nie einfach, wir haben das nur nicht mehr wahrhaben wollen.

Ich lese uns aus dem Buch Prediger den berühmten Text vor: Ein jegliches hat seine Zeit und alle Vorhaben unter dem Himmel haben ihre Stunde….

Prediger 3 in Auszügen.

Was für eine Zeit kommen wird, wissen wir nicht,

wir gehen aber in das neue Jahr mit dem Segen Gottes, mit Liebe und Hoffnung, Vernunft und Verstand. Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus Amen.


 

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