Archiv Predigten

PredigtEN  der Ev. Kirchengemeinde Erfurt-Südost sind hier für einen Monat nach dem Erscheinen bzw nach dem jeweiligen Gottesdienst nachlesbar bzw nachhörbar

Predigt zur Jahreslosung 2021

Predigt zur Jahreslosung 2021

Wir laden Sie herzlich ein zu unseren Gottesdiensten am
03. Januar 2021
09:30 Uhr in der Lukaskirche und
11:00 Uhr im Gustav-Adolf-Gemeindezentrum
mit OGP Thomas Riedel

Gedanken zu LK 6,36 (Jahreslosung 2021)

Liebe Leser,

ich möchte über die Jahreslosung 2021 sprechen. Sie soll uns durch das Jahr begleiten und uns immer wieder einen Impuls geben. Die Jahreslosung für das neubegonnene Jahr lautet: Jesus Christus spricht: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ Lk6,36

Ein wirklich kurzer Vers. Ein Wort sticht dabei heraus: barmherzig.

Barmherzig sein oder Barmherzigkeit klingt erst mal ein wenig sperrig. Es macht Sinn, ein wenig genauer hinzuschauen, was damit gemeint sein könnte. Am schnellsten kommen wir hinter den Wortsinn, wenn wir das Wort auseinandernehmen. Dann haben wir auf der einen Seite das Wort „barm“, das könnte für das althochdeutsche Wort „Schoss“ stehen. Und auf der anderen Seite das Wort „Herz“. Ein Herz für jemanden haben, geht schon mal in die richtige Richtung. Sich jemandes annehmen, sich um jemanden kümmern. Unsere katholischen Brüder und Schwestern kennen leibliche und geistige Werke der Barmherzigkeit. Zum Beispiel: Hungrige speisen oder Nackte kleiden, Trauernde trösten oder Beleidigungen verzeihen.

Daran merkt man schon, Barmherzigkeit kann man nur schwer beschreiben und man kann sie nicht in Seminaren lernen, denn dann bleibt es ja nur bei Worten. Barmherzig-Sein kann man nur im Tun füllen. Es braucht also eine Aktion von uns.

Leider scheint in unserer Gesellschaft Barmherzigkeit gerade nicht hoch im Kurs zu stehen. Offensichtlich schauen viele nur auf sich und wie es ihnen geht, sie sind nur daran interessiert, ihren eigenen Vorteil zu stärken und demzufolge nicht bereit, auf ihren Nächsten zuzugehen.

Deshalb finde ich die Jahreslosung besonders passend… Sie weist uns auf etwas hin, das unbedingt notwendig ist, um in einer pluralen Gesellschaft in einem guten Miteinander auszukommen.

Sicher werden wir in unserem Tun unvollkommen bleiben, dennoch braucht es unsere Versuche, diesem Anspruch gerecht zu werden. Der wahre Meister der Barmherzigkeit ist und bleibt Gott. Darum orientiert uns die Jahreslosung auf ihn. Das wir ihn uns als Vorbild nehmen.

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ Lk6,36

Wie könnte Barmherzigkeit praktisch aussehen?

Da es um uns unzählige Facetten von Armut und Elend gibt, kann dies nur ein Beispiel bleiben. Wie wäre es mit:

  • Zeit verschenken:

Es gibt einen Unterschied zwischen dem Alleinsein, das wir in der Regel gut händeln können und der Einsamkeit, die oft weh tut. Wo wir wissen, dass jemand einsam ist, da könnten wir doch Zeit verschenken, einfach mal zusammen lachen oder über Neues nachdenken. Und wenn es wieder erlaubt ist, die Menschen in die Gemeinde einladen. Das ist unsere Stärke, Gemeinschaft zu haben.

  • Schweres mittragen:

Damit ist nicht gemeint, Ratschläge zu verteilen, denn damit ist doch niemanden geholfen… sondern sich investieren, einen Weg mitgehen, mit anpacken, ganz praktisch. Das habe ich in der Sozialhilfe gelernt… Es hilft niemanden zu sagen: „Du musst zum Sozialamt gehen…“, sondern es hilft zu sagen: „Komm, wir gehen gemeinsam!“ …und das dann auch zu tun.

  • Brücken bauen:

Je mehr Wut, Groll und Hass wir empfinden, desto mehr Stresshormone schüttet unser Körper aus. Das haben Mediziner festgestellt. Umso heilsamer ist es, loslassen zu können. Sich selbst und den Anderen zu vergeben. Schon im Vaterunser beten wir: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.“ Vergebung verschafft uns neuen Handlungsspielraum. Nobody is perfekt! – Auch ich nicht. Sich das ab und an zu verdeutlichen, eröffnet uns die Möglichkeit, einen Schritt aus unserer Wut und unserem Ärger herauszutreten.

  • Wachsam bleiben:

Unsere Gesellschaft steckt voller Diskriminierung und Erniedrigung. Affenlaute im Fußballstadion. Die Betitelung von Mitmenschen als „die Flüchtlinge“, „die Schwarzen“, „die Türken“ usw. Menschen werden ausgegrenzt und als minderwertig bezeichnet. Das ist Menschenfeindlichkeit, die um uns herum lebt. Mit dem, was Jesus vorgelebt hat, passt das nicht zusammen. Es liegt an uns, einen Unterschied zu machen, diesen Weg nicht mitzugehen. Und im besten Fall dies auch in unserem Umfeld anzusprechen. Bei Gott gibt es nur Menschen, die der Liebe bedürfen und es gibt keine Klassifizierung.

Liebe Gemeinde, so bleibt nur noch die Jahreslosung zu wiederholen.

Auf dass durch uns im Vollzug der Jahreslosung für den einen oder anderen Menschen um uns ein gutes Jahr 2021 wird.

Jesus Christus spricht: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater (mit dir) barmherzig ist.“ Lk6,36

Amen.

Grafik: Lotz 

Grafik LotzThomas RiedelGrafik Lotz
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