Archiv Predigten

PredigtEN  der Ev. Kirchengemeinde Erfurt-Südost sind hier für einen Monat nach dem Erscheinen bzw nach dem jeweiligen Gottesdienst nachlesbar bzw nachhörbar

Predigt zum Gottesdienst 01. November 2020

Predigt zum Gottesdienst 01. November 2020

Herzliche Einladung zum Gottesdienst am 01.11.2020 10:00 Uhr in der Gustav-Adolf-Kirche Erfurt
mit OGP Thomas Riedel

Predigt zu Jeremia 29,1-14

Lieber Leser*in,

ich schaue sehr gerne Filme. Ganz besonders gerne schaue ich Actionfilme. So ein Actionfilm ist relativ simpel aufgebaut. Da gibt es zum einen, ganz pauschalisiert gesagt, die „Bösen“. Das sind einzelne Personen oder eine Gruppe, die Leid bringen und gewalttätig sind, die Schwache ausnutzen, um sich zu bereichern oder einfach, um sich an ihrer Macht zu ergötzen. Und dann gibt es natürlich auch noch die „Guten“, die sich einsetzen, um den Schwachen zu ihrem Recht zu verhelfen oder die „Bösen“ zu Fall zu bringen. Und meistens gibt es dann ein Happy End. Wunderbar!

Nur leider hat diese Darstellung einen Schönheitsfehler. Die „Guten“ tun im Endeffekt nichts anderes als die „Bösen“. Denn oft ist es so, dass sie anfangen, sich zu bewaffnen, mit vielen Pistolen und Messern … und dann gehen sie auf die Jagd nach den „Bösen“. Sie jagen sie nach dem altbiblischen Motto „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Aber was wird uns da vermittelt? Ist das ein probates Mittel, Böses zu überwinden?

Stellen Sie sich mal vor, was los wäre, wenn jeder von uns so agieren würde! Nein, es muss einen anderen Weg geben, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen. Und auch hier finden wir in den Worten der Bibel, in den Worten Christi, eine Richtschnur. Da steht geschrieben (Matthäus 5,38-48):

Mt 5,38Ihr habt gehört, dass gesagt ist (2. Mose 21,24): »Auge um Auge, Zahn um Zahn.« 39Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Bösen, sondern: Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.

Was Christus uns da abverlangt, ist mehr als nur sich nicht zu wehren, still zu halten,   und es ertragen, sondern er möchte, dass wir uns aktiv in das Geschehen hineingeben, uns für den Frieden einsetzen und dabei die Spirale der Gewalt eben nicht andrehen. Das ist kein feiges Hinnehmen, sondern eine mutige Entscheidung, mit anderen Waffen zu kämpfen.

Wir sind dabei nicht ungeschützt oder wehrlos. Denn wir haben die „Waffenrüstung“ Gottes. So heißt es …(Basis Bibel) Eph.613Deshalb sollt ihr zu den Waffen greifen, die Gott euch gibt. Damit könnt ihr Widerstand leisten am Tag des Unheils. Und wenn ihr alles richtig zum Einsatz bringt, könnt ihr dem Angriff standhalten.

14Also haltet stand! Tragt die Wahrheit als Gürtel um eure Hüfte und zieht die Gerechtigkeit als Brustpanzer an.15Und tragt an euren Füßen als Schuhe die Bereitschaft, die Gute Nachricht vom Frieden zu verkünden.16Was auch kommen mag: Greift nach dem Glauben als eurem Schild! Mit ihm könnt ihr alle brennenden Pfeile abwehren, die der Böse gegen euch schießt.17Nehmt als Helm eure Rettung in Empfang. Und lasst euch das Schwert geben, das der Heilige Geist euch schenkt: Es ist das Wort Gottes.

18Hört nicht auf, in jeder erdenklichen Weise und zu jeder Zeit zu beten und zu bitten!

Böses mit Gutem zu überwinden durch Gerechtigkeit, durch die Gute Nachricht des Friedens und durch das Wort Gottes, das uns Richtschnur sein will. Ich denke, wenn wir es schaffen, so zu agieren – käme dann mancher Konflikt erst gar nicht auf, wenn Gerechtigkeit geschähe? Liefe dann nicht manche Aggression ins Leere, wenn sie durch Freundlichkeit entkräftet oder man sich freundlich trennen würde?
Verständlich, dass diese Botschaft immer wieder zu Auseinandersetzungen führt, auch unter Christen.
Aber ich finde, es gibt keine Alternative dazu. Es ist eben nicht wie im Film, wo dann scheinbar alles gut ist, wenn die Bösen tot sind. Denn in der Realität sind das Leid und der Hass nicht weg, nur wenn man einen „Bösen“ besiegt hat. Denn Gewalt erzeugt immer Gegengewalt.

Jedoch hat das Böse keine Chance, wenn sich Konfliktparteien dazu entscheiden, nicht zu kämpfen, sondern zu reden und zuzuhören. So wie wenn sich z. B. Eltern aus Israel und Palästina, die ihre Kinder im Konflikt verloren haben, nicht gegenseitig Rache schwören, sondern sich gemeinsam im „Parents Circle – Families Forum“ für Versöhnung und Gewaltlosigkeit einsetzen, dann triumphiert das Böse nicht länger. (Zitat: https://www.abendblatt.de/ratgeber/extra-journal/article134922624/Das-Boese-mit-Gutem-ueberwinden.html )

Darum möchte ich mit den Worten des Propheten Jeremia enden: Der zu dem Volk Gottes spricht und seine Zusage weitergibt, die auch für uns gilt:

„Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: 11Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung. 12Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten, und ich will euch erhören. 13
Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, 14so will ich mich von euch finden lassen.“

Amen.

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