Archiv Predigten

PredigtEN  der Ev. Kirchengemeinde Erfurt-Südost sind hier für einen Monat nach dem Erscheinen bzw nach dem jeweiligen Gottesdienst nachlesbar bzw nachhörbar

Predigt zu den Gottesdiensten am 4. Oktober 2020

Predigt zu den Gottesdiensten am 4. Oktober 2020

In der Lukaskirche feiern wir 09:30 Uhr und
in der Gustav-Adolf-Kirche 11:00 Uhr
Gottesdienst mit OGP Thomas Riedel
und an der Orgel Christina Wolf-Dreißig

Predigt zu Mk 8,1-9

Liebe Schwestern und Brüder,
letzte Woche haben wir in der Gustav-Adolf-Kirche unseren Erntedanktag gefeiert.

Vielleicht waren Sie ja mit dabei?!
Trotzdem möchte ich heute noch mal das Thema „Dankbarkeit“ aufgreifen.
Zu Erntedank sammeln wir Gaben aus Feld, Flur und dem Supermarkt, um kurz innezuhalten und einen Moment zu haben, in dem wir uns verdeutlichen, dass vieles doch gar nicht selbstverständlich ist.
Der Riesenkürbis, die volle Ähre, die Honigwabe, das Brot - sie spiegeln die Fülle der Natur und die Früchte der Arbeit.

Jedoch gibt es noch mehr in unserm Leben, für das wir dankbar sein können.

Da ist nicht nur Nahrung, sondern auch Kleidung. Da ist das Glück, das wir erleben und das wir mit anderen teilen dürfen. Da ist jedes Wachsen und Gedeihen in Partnerschaft und Familie, große und kleine Erfolge im Beruf. Und/ Aber da sind auch die Aufgaben, an denen wir wachsen. Für all dies dürfen wir dankbar sein.

Dankbarkeit spielt für mich eine wichtige Rolle. Ich bin davon überzeugt, dass es uns gut tut, nicht nur kurz an Erntedank innezuhalten und sich zu verdeutlichen, dass manche dieser Gaben nicht unserer Kraft und Weisheit entspringen, sondern unverdiente Geschenke Gottes sind. Dankbarkeit ist eine Haltung, die uns ins Gleichgewicht bringen kann. Denn wer dankbar ist, versteht sich als Beschenkter.

Dankbarkeit steht jedoch nicht für sich allein, sondern in Verbindung mit Hoffnung. Denn nur wenn ich Hoffnung habe, dass meine Grenzen und Schwächen überwunden werden können, kann ich auch gelassen empfangen und für das Empfangene dankbar sein.

Unser Ratspräsident Heinrich Bedford-Strom hat in einer Ansprache (Johannis-Empfang der EKD 2015) einmal gesagt: „Fromm sein hat mit jener Weisheit zu tun, die die eigene Grenzen erkennt, die die Seele mit Gelassenheit füllt und das Erkennen der Liebe. Unsere Welt braucht Menschen, die von der Güte Gottes wissen, die von der Barmherzigkeit reden, die aus der Dankbarkeit leben.“
Er spricht in dieser Rede von Frömmigkeit. Ein Wort, das heutzutage kaum noch benutzt wird. Aber er füllt es, in dem er sagt: Frömmigkeit ist eine innere Haltung, die Gott mehr zutraut, als sich selbst, die ein Gespür dafür hat, dass alle Selbstoptimierung ihre heilsame Grenze findet und aufgehoben wird in dem tiefen Vertrauen auf Gott.

Ich glaube, dass aus Gottvertrauen auch Dankbarkeit entspringen kann.

Im Evangelium (Markusevangelium 8,1-9) haben wir von einem Wunder gehört. Jesus macht 4000 Menschen satt und das mit nur 7 Broten… Um es noch mal zu verdeutlichen: Es waren nur sieben Brote und viertausend Menschen, das kann nicht reichen, das wussten auch die Jünger Jesu und waren sehr negativ. Sie sagten: »Wo soll in dieser einsamen Gegend das Brot herkommen, um diese Leute satt zu machen?« Offensichtlich gibt es keine realistische Chance, dies gut zu managen.
Jesu Reaktion ist für uns eine Lehrstunde, er stimmte nicht in das Klagen der Jünger ein und verfiel nicht in Pessimismus. Sondern er vertraute darauf, dass Gott sie nicht im Stich lassen sondern wirken würde, selbst in dieser scheinbar eindeutig erdrückenden Situation.

Jesus nimmt die sieben Brote und dankt Gott. Und das Wunder geschieht.

Liebe Gemeinde, auf Gott zu hoffen, ihm für das Empfangene zu danken, auch wenn es im Moment scheinbar ungenügend ist, tut uns nicht nur gut, sondern schenkt Vertrauen auf Gott und die Hoffnung, dass er alles zum Guten wenden wird. Und letztlich brauchen wir diese Hoffnung, damit wir handlungsfähig bleiben. Wer resigniert, gibt der Aussichtslosigkeit Recht. Nur wer hofft, entwickelt die Kraft zur Veränderung.

Hoffnung und Dankbarkeit ermöglichen es uns aber auch, ganz unaufgeregt unsere eigenen Grenzen zu erkennen und zu verstehen, dass nicht alles von uns abhängt.

Das Erntedankfest gibt der Dankbarkeit Raum und wendet sie hin zu Gott. Wer dankt, sieht nichts als selbstverständlich an und weiß sich von Gott reich beschenkt. Unsere Haltung zum Leben verändert sich vom ängstlichen Sammeln und Horten und dem Gefühl zu kurz zu kommen hin zu größerer Gelassenheit und Frieden.

Und die Frage, die ich Ihnen mitgeben will, lautet: Wofür kann ich Gott danken?!

Amen.

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