Archiv Predigten

PredigtEN  der Ev. Kirchengemeinde Erfurt-Südost sind hier für einen Monat nach dem Erscheinen bzw nach dem jeweiligen Gottesdienst nachlesbar bzw nachhörbar

Predigt zu den Gottesdiensten am 18.10.2020

 Predigt zu den Gottesdiensten am 18.10.2020

Herzliche Einladung zum 19. Sonntag nach Trinitatis,
9.30 Uhr Gustav-Adolf-Kirche und 11 Uhr Lukaskirche
Wochen Spruch: Heile du mich Herr, so werde ich heil. Hilf du mir, so ist mir geholfen. Jeremai 17, 14
Pfarrerin: Susanne Sydow
Orgel: Tom Anschütz

 

Die Gnade Gottes, die liebe Jesu Christi und die Gemeinschaft des hlg Geistes sei mit uns allen.
Amen

Liebe Schwestern und Brüder,

hören Sie noch einmal die Worte aus der Bibel, aus dem Epheserbrief 4, 22-32…….

Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet.

Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn

und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.

Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind.

Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen

und gebt nicht Raum dem Teufel.

Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann.

Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Gnade bringe denen, die es hören.

Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung.

Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit.

Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.

Wenn wir auf die Anfangsgeschichte Gottes mit den Menschen schauen, dann lesen wir in der Bibel, wie es am Anfang gut war. Gott voller Ideen und Schöpferkraft schuf Mensch und Natur, es gab noch keinen Kummer, keine Tränen, sondern einfach frohe Hoffnung auf die Zukunft. Fein geformt war der Mensch, mit göttlichem Atem ins Leben gerufen, hängen am Menschen auch die Hoffnungen Gottes, dass der Mensch es gut machen wird das Leben und die Erde. Der Mensch gestaltete und schaffte, Gott an seiner Seite. Das ist der Urgrund biblischer Geschichte vom Anfang. Gott hat sich mit seiner Existenz an die Menschen gebunden.

Bereits im AT wird diese Hoffnung Gottes auf eine schwere Probe gestellt, wir kennen die Geschichten von der Vertreibung aus dem Paradies, die Turmgeschichte von Babel, die Ausrottungsgeschichte, die sich mit der Sintflut verbindet, viel später kommen dann die Propheten Israels und sprechen den Menschen ins Gewissen.

In der christlichen Geschichte lernen wir später einen ganz anderen Gott  noch kennen und zwar einen Gott, dem es schlecht geht und wir lernen am Leben und am Tod des Sohnes Jesus Christus einen Gott kennen, der am Menschen und durch den Menschen leidet und zu Tode kommt in aller Konsequenz.

Wir lernen daran, zu erkennen ,  dass das was auf dem Menschen an Leid lastet, liegt auch Gott auf der Seele und macht ihn unglücklich, so ist der Vers 30 aus dem Bibeltext zu verstehen, wenn es heißt: Und betrübt nicht den heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung.

Der Briefschreiber müht sich in seinen Sätzen, den Mitchristen in der Gemeinde in Ephesus eine Orientierung zu geben.

Der Mensch ist auf Gott gewiesen und Gott hat sich mit dem Menschen in Liebe verbunden, so wird immer wieder um Menschen geworben, wird gemahnt und gehofft auf den Menschen.

Aus Gottes Liebe zu uns folgt der Auftrag, die menschliche Gemeinschaft als einen lebenswerten Ort zu erhalten.

Gott gibt nicht auf, auf den Menschen zu hoffen, er gibt nicht auf, den Menschen eine gute Zukunft zu wünschen.

Mein Vater hat bei Streit und bei allen Konflikten im Leben immer diesen Satz aus unserem Bibeltext zitiert: Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. Und mit diesem Vers haben wir schon einen wichtigen Ratschlag gefunden: Streit soll nicht dauern, Streit soll nicht über Tage, Wochen und Monate immer stärker und böser werden, Streit soll noch am Tag des Geschehens wieder beigelegt werden. Für Familien ist das sicher ein guter Rat, in anderen Bereichen ist es vielleicht nicht immer sofort umsetzbar, aber kann auch dort eine Hilfe sein.

All die anderen Ratschläge und Hinweise sollen Leben und Zukunft ermöglichen:

Nicht lügen, nicht stehlen, keine üble Nachrede, Bitterkeit und Zorn nicht übergroß werden lassen, freundlich sein zu seinen Mitmenschen und mit einer gewissen Vergebungsbereitschaft anderen entgegenkommen.

Sie werden sagen, das ist alles richtig, aber so schwer zu machen und das stimmt.

Jeder und jede von uns kennt das, wenn Ärger und Wut in einem hochkochen, wenn man sich missverstanden , gedemütigt oder schlecht behandelt fühlt, da ist es  schwer, aus diesen negativen Gefühlen wieder heraus zu finden und doch müssen wir da wieder herausfinden, um des eigenen Lebens, des eigenen Glückes und des eigenen Wohlbefindens wegen  und wegen des Gegenübers.

Gott erwartet uns von uns Christen vielleicht auch mehr als von anderen, auf jeden Fall erwartet er etwas von uns und das NT wird ja nicht müde immer wieder zu mahnen, dass wir anders sein sollen, dass wir uns nicht mit der Welt gemein machen sollen. Wir müssen uns nicht beteiligen, wenn ein herzloser liebloser und rüder Umgangston gepflegt wird. Wir müssen uns nicht beteiligen, wenn die Gesellschaft sich spaltet in Gruppen, die keinen Gespräch mehr untereinander führen können.

Die Errungenschaften einer zugewandten und solidarischen Gemeinschaft müssen immer wieder neu geübt werden und es muss darum gekämpft werden. Und ich weiß, dass das in der jetzigen Zeit gar nicht so leicht ist.

Vielleicht kennen Sie Geschichte von Vineta, ich habe sie im September im Großmütterkreis vorgelesen, es ist die Geschichte einer zu reich gewordenen Gesellschaft, die Bewohner durch weltweiten Handel überreich geworden, verfielen dem Hochmut und der Verschwendung und je länger ich die Geschichte vorlas, um so mehr erschien sie mir als eine Parabel unserer Zeit.

Alle lebten in Saus und Braus, die Warnungen, die die Stadt erreichten, darüber konnten die Menschen nur lachen. Sie wissen wie die Geschichte ausgeht, Vineta versinkt für immer in den Fluten des Meeres und kann nur alle 100 Jahre erlöst werden, manchmal hört man die Glocken der Kirchen aus der versunkenen Stadt vom Grund des Meeres herauftönen.

Vineta ist immer noch versunken, noch nicht erlöst, aber wir leben, wir haben Einfluss, wir können unser Leben bedenken und manchmal ändern und wir als Christen können uns nach der Bibel richten und werden damit das Leben und die Zukunft nicht verfehlen.

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen

Text: Diethard Zils 1978 nach dem französichen „Nous avons vu les pas de notre Dieu“ von Michel Scouarnec, Melodie: Jo Akepsimas 1973, Ergänzungsheft von 2018 zum Evangelischen Gesangbuch Nr. 20,  aufgenommen in der ehemaligen Klosterkirche St. Marien in Heiligenrode (Stuhr).

Quelle: detlefkorsen / youtube.com

WölkchenAuf dem WegGustav-Adolf-KircheSusanne SydowTom Anschütz
Voriger Beitrag Zurück zur Übersicht Nächster Beitrag