Archiv Predigten

PredigtEN  der Ev. Kirchengemeinde Erfurt-Südost sind hier für einen Monat nach dem Erscheinen bzw nach dem jeweiligen Gottesdienst nachlesbar bzw nachhörbar

Predigt zu den Gottesdiensten am 13. September 2020

Predigt zu den Gottesdiensten am 13. September 2020

 14.Sonntag nach Trinitatis
9:30 Uhr Gustav-Adolf-Kirche

11:00 Uhr Lukaskirche
Gehalten von Lutz Ludwig
an der Orgel: Frau Roch

 Gutes Leben für alle-Faire Woche

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

Amen

Liebe Gemeinde,

Gutes Leben für alle – das ist das Thema der Fairen Woche im Jahr 2020. Als dieses Thema festgelegt wurde, war unser Leben noch ganz anders. Nun haben wir alle einen massiven Umbruch erlebt. Er stellt uns die Frage neu und sehr dringlich: Was ist denn gutes Leben? Für mich? Für andere? Was brauche ich dafür? Und was eigentlich nicht? Wer beurteilt das letzten Endes? Und wie kann Leben gut werden? Für mich? Aber nicht nur für mich?

Der Prophet Micha spricht zu uns: „Es ist dir gesagt, Mensch, was GUT ist und was der Herr von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“

Das ist eine klare Ansage. Kein wolkiges Gefühl oder ein unentschiedenes Vielleicht.     
Sehr eindeutig bringt der Prophet Micha auf den Punkt, was ein gutes Leben im Kern ausmacht.                                                       

Nicht einfach die Summe unserer Träume und Wünsche und was wir uns sonst an Gutem und Schönem ausmalen.
Micha wagt die Ansage, dass mein Leben dann gut ist, wenn es dem folgt, was Gottes Liebe und Gottes Willen entspricht.

Das klingt schrecklich fremdbestimmt für unsere Ohren.
Ich weiß doch selbst am besten, was für mich gut ist – so lautet ein Grundsatz unserer Zeit.                                                                   

Echt? Ist das so? Ehrlich? Oder verliere ich mich letztlich im Vielerlei meiner Wünsche, die nie zu befriedigen sind?  
Wie oft lasse ich mich antreiben und mitreißen von dem, was andere tun und von mir erwarten?    
Und wird mein Leben dadurch tatsächlich besser – für mich und für andere? Für die in meiner Nähe sind und die, die ganz weit weg sind oder für kommende Generationen?  Oder ahne ich, was es anderen kostet, dass ich so „gut“ lebe? Und bleibt es auch für mich ein Kreislauf, der nirgends hinführt?   
Der Prophet Micha geht an die Frage nach dem guten Leben anders heran. Er stellt fest, dass diese Frage aus Gottes Sicht klar beantwortet ist und gar nicht so sehr an unseren Befindlichkeiten hängt.       

GUT, wirklich langfristig gut für mich und andere, ist es, Gottes Wort zu halten.       

Sein Gebot, sein gutes Recht gelten zu lassen für mich und andere. Sein Gebot, das Schwache schützt, Gerechtigkeit zum Maßstab für das Leben macht und uns in Freiheit führt.        

Es macht im besten Fall sogar frei davon, auf das zu schielen, was andere tun und haben.

Es macht frei von dem Neid, der unsere Seelen zerfrisst, und der uns dazu bringt, uns niemals gut genug zu finden.       

GUT ist es außerdem, Liebe zu üben. Üben!   
Das ist etwas, wo ich immer wieder von vorne beginnen muss. Nicht nur auf mich schauen. Den Blick schweifen lassen. 
Freigiebig sein und mich selbst und meine Nächsten als von Gott gewollt und mit gleicher Würde ausgestattet begreifen. Immer wieder.
Und das umsetzen. 
Beim Reden. Beim Einkaufen. Bei meiner Zeiteinteilung. Beim Verbrauch von Ressourcen.   
Und in den Konflikten des Alltags. 
Auch wenn es schwerfällt. Das ist langfristig gut und wird es immer bleiben, darauf kann ich mich verlassen. Hier kann ich mich berühren lassen und mein Herz öffnen und mich einklinken in eine heilende Kraft, die viel größer ist als ich.     
Welche mich in einen Zusammenhang stellt, der über mein begrenztes Leben weit hinausgeht. Das tut gut. Das ist gut. Es ist viel besser und schöner und erfüllender als die enge Konzentration auf das, was für mich selbst herausspringt.  

Gut ist es gemäß dem Propheten Micha auch, demütig zu sein vor Gott. Ja, genau: Demut soll gut sein für mich. Das ist gar nicht so schlimm, wie es sich anhört.                                                 

Denn Demut, das ist nicht Unterwürfigkeit oder ein sorgfältig gepflegter Minderwertigkeitskomplex. Demut heißt auf lateinisch „humilitas“ und hängt hörbar zusammen mit dem Wort „Humus“: gute Erde, fruchtbarer Boden. Demut ist das Wissen davon, dass wir Erde sind und zu Erde werden. Vergänglich und verletzlich.

Die Corona-Krise führt uns dies gerade deutlich vor Augen. Sie zwingt uns dazu, uns dem zu stellen, was wir alle eigentlich auch vorher schon gewusst haben:  Ich bin „vorübergehend“. Und nichts, was ich im Leben erreiche, wird daran etwas ändern.   Micha meint: Es ist gut, das anzuschauen und vor dieser Wahrheit nicht zu fliehen.
Denn mit meinen eigenen Grenzen erkenne ich auch die Kurzlebigkeit von so vielem, was angeblich ungeheuer wichtig ist.                                                                                             

Ich erkenne mich selbst als ergänzungsbedürftig.    Als Teil des Ganzen, das nur leben kann, wenn es verbunden ist mit denen vor und nach mir, mit der ganzen Schöpfung.  Ich brauche gerechte Beziehungen, denn ich bin ein abhängiges Geschöpf.   Demut in diesem Sinne kann mir helfen, meine Grenzen als Gabe Gottes anzunehmen, anstatt sie ständig überschreiten zu müssen.                                                 

Sowohl meine persönlichen Grenzen als auch die Grenzen unseres Planeten: die Grenzen meiner Zeit und Kraft, meiner Reichweite, Mobilität, Anerkennung.                                                     

Demut kann in Dankbarkeit münden und dazu führen, dass ich wieder spüre, was „genug“ für mich ist, was ausreicht. Was gerecht ist und was ich wirklich brauche. Und das tut gut! Das ist gut.
Es ist gut für mich, für diese Erde und für die, die mit mir darauf leben.

Amen

Und der Friede Gottes welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Predigtvorlage:

Material EKD

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