Archiv Predigten

PredigtEN  der Ev. Kirchengemeinde Erfurt-Südost sind hier für einen Monat nach dem Erscheinen bzw nach dem jeweiligen Gottesdienst nachlesbar bzw nachhörbar

Indoor-Outdoor-Gottesdienst zu Erntedank auf dem Gelände der Gustav-Adolf-Kirche 10.30 Uhr am 27.9.2020

Indoor-Outdoor-Gottesdienst zu Erntedank  auf dem Gelände der Gustav-Adolf-Kirche 10.30 Uhr am 27.9.2020

Im Herbst, eigentlich am ersten Sonntag im Oktober, wird traditionell das Erntedankfest gefeiert. Wir drücken mit diesem Gottesdienst unseren Dank dafür aus, das wir satt werden, dass auch in diesem Sommer geerntet werden konnte, dass uns sauberes Wasser zur Verfügung steht. Seit dem 3. Jahrhundert bereits feiern die christlichen Kirchen Erntedank, jedoch ist es ein Fest, dass wir seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr ungebrochen feiern können, zu sehr haben sich Menschen von der Natur entfremdet und zerstören sie.

Ansprache am 27.9.2020

Die Gnade Gottes, die Liebe Jesu Christie und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen

Liebe Schwestern und Brüder,

es gibt im Alten Testament die sehr berühmt gewordene Geschichte von der Rettung des israelitischen Volkes aus der Knechtschaft, in der sie in Ägypten lebten. Lange Jahre als Menschen 2. Klasse wurden sie unterdrückt, erledigten niedrige Dienste und hatten keine Möglichkeit, auf ein gleichberechtigtes Leben. Mit dem Mann Mose erwuchs den Israeliten eine Führungskraft, die es auf sich nahm, Menschen aus der Unterdrückung in ein freies Leben zu führen.

Nun, der ägyptische Pharao wollte die Israeliten nicht gehen lassen, wer läßt schon gern seine dienenden Kräfte abziehen. So kam es zu einer Auseinandersetzung und zur Flucht der Menschen, die sich um Mose sammelten. Der Pharao wurde dann doch gezwungen nachzugeben und zwar geschah dies, so deutet es die Bibel, durch göttlichen Druck. 10 Plagen machten den Ägyptern das Leben schwer: da wandelte sich Wasser in Blut, Frösche und Stechmücken, Stechfliegen und Heuschrecken fielen über das Land her. Viehpest und Blattern, Hagel und Finsternis und der Tod von erstgeborenen Säuglingen bezwangen den Pharao.  Wir können heute wahrscheinlich die meisten der Plagen ökologisch erklären, wissen, daß vieles  von Menschen gemacht ist oder tatsächliche eine Erklärung findet. Was aber in der Betrachtung bleibt, daß sich etwas änderte, das Umkehr gewissermaßen erzwungen wurde.

Nun bin ich weit entfernt davon, unsere aktuelle Situation mit Covid 19 Viren als Strafe Gottes zu definieren, aber ich kann auch nicht sagen, daß Gott damit garnichts zu tun hat und daß er uns immer nur lieb hat. Wenn ich sage, Gott straft uns, maße ich mir etwas an und wenn ich sage, er hat uns lieb, kann es auch sein, daß ich mich irre. Wir können Gott nicht so einfach fassen.

Was wir aber sehen können, wir haben keinen Respekt und kein Mitgefühl mit der Natur, der Lebensraum der Tiere wird immer kleiner und immer mehr und immer weiter breiten sich die Menschen aus.

Corona ist eine Zäsur für uns alle, wie vorher wird es nicht wieder werden, es gibt tatsächlich historische Momente, in denen die Zukunft ihre Richtung ändert, Tiefenkrisen nennen das die Zukunftsforscher. Die Welt , wie wir sie kennen, löst sich gerade auf, dahinter fügt sich eine Welt zusammen, die wir jetzt nur erahnen können. Vielleicht ist das Virus eine Sendbote aus der Zukunft, die drastische Botschaft über unsere Art der Zivilisation  lautet: zu dicht, zu schnell, zu überhitzt und falsche Richtung, es geht nur Richtung Tod, nicht Richtung Zukunft.

Ich glaube auch nicht, daß die Pessimisten unter uns recht haben, die alles auf Apokalypse setzen, aber die Optimisten sind auch eher harmlos und ihr Optimismus hilft nicht, hilft vor allem denen nicht, die Angst haben vor dem was kommen kann und vor dem was schon da ist.

Die einzig mögliche Haltung, die ich sehen kann, ist die Haltung der Zuversicht. Wenn wir zuversichtlich sind, fragen wir : was können wir tun für die Zukunft? Was kann unser, was kann mein Beitrag sein und indem ich so frage und denke, mache ich Zukunft, gestalte ich sie mit.

Zuversicht wächst im Vertrauen darauf , dass wir neue Antworten finden  können. Zuversicht ist eine Haltung, die einen guten Ausgang für möglich hält und dafür etwas zu tun bereit ist.

Die Zukunft beginnt in uns, Verantwortung für das Morgen zu übernehmen, es ist eine Entscheidung, sowohl gesellschaftlich als auch persönlich.

Der Zukunftsforscher Matthias Horx hat in einem Aufsatz geschrieben:

Hinter unserem Haus am Stadtrand von Wien, wo ich mit meiner Familie jetzt Ende März, in coronaler Isolation lebe, ist der Wald voll mit Hunderten von Menschen, die in kleinen Gruppen umher wandern. Jung und Alt, Arm und Reich, Mensch und Tier. Paare, die in virologischer Einheit leben, küssen sich innig, aber immer im Abstand zu anderen. Fünfergruppen mit Hund stehen da und lachen – worüber? Humor, im Gegensatz zum Zynismus, ist ein wunderbares Gegenmittel gegen das Virus. Kinder sind fröhlich, weil sie plötzlich dauernd mit den Eltern zusammen sind. Eine Wolke von Energie breitet sich aus – eine Art positiver Gegen-Infektion.

Das was er beschreibt, haben wir alle in der einen oder anderen Form beobachten können.

Die altt. Erzählung von den 10 Plagen ist nicht nur eine Unglücksgeschichte, sie ist am Ende eine Hoffnungsgeschichte, eine Erzählung von geglückter Befreiung. Die Israeliten erfuhren, daß Gott sie aus Leid und Tod herausführen kann, sie vertrauten auf Gottes Wort und machten sich auf den Weg.

Bis heute begründet diese Befreiungsgeschichte den Glauben der Juden an Gott.

Leid und Unglück sind die eine Seite, auf der anderen Seite wartet schon das Neue, das Andere.

Aus der Bibel können wir lernen, das schwere Zeiten immer auch Zeiten ethischer Entscheidung sind, wir stehen vor der Wahl und gerade die biblische Auszugsgeschichte gibt uns ein Bild an die Hand, von dem wir Zuversicht lernen können. Es ist die Zukunft, um die es geht, auch wenn Leid und Schmerz und Krankheit gefahrvoll aufleuchten, gibt es doch immer auch das andere.

Das Bild einer Zukunft, auf die wir uns freuen könnten.

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus Amen.

Auf Grund der Corona-Einschränkungen sind in diesem Jahr leider keine großen künstlerischen und auch versorgungstechnischen Angebote möglich! 
Die Fotos unten zeigen neben aktuellen Bildern vom 27.9. 2020 (entsprechend genehmigtem Konzept) auch einige Impressionen vergangener Erntedank-Feiern in unserer Kirche. 
Wir hoffen, dass wir bald wieder so mit Ihnen feiern können.

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