Archiv Predigten

ausgewählte PredigtEN  der Ev. Kirchengemeinde Erfurt-Südost sind hier für einen Monat nach dem Erscheinen bzw nach dem jeweiligen Gottesdienst nachlesbar bzw nachhörbar

Gottesdienste zum Ewigkeitssonntag am 20.11.22

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 um 9.30 Uhr Gustav-Adolf-Kirche
 um 11 Uhr Lukaskirche

mit Pfarrerin Sydow
Predigt und Lied sehen Sie hier

Ansprache zum Ewigkeitssonntag 20.11.22

Die Gnade Gottes, die Liebe Jesu Christie und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen

Liebe Schwestern und Brüder,

der Ewigkeitssonntag oder auch Totensonntag genannt, ist ein Tag der Erinnerung und ein Tag, an dem wir uns unseres Glaubens und unserer Hoffnung versichern. Jeder und jede von Ihnen hier in der Kirche wird bereits eine nahen Menschen verloren haben, vielleicht waren Sie an seinem Sterbebett dabei, vielleicht haben Sie von dem Toten oder der Toten Anschied persönlich Abschied genommen und wer schon einmal am Bett eines Toten stand, weiß, wie sich das anfühlt, irgendwie unwirklich, der Mensch liegt noch da, aber er ist es nicht mehr, alles Leben ist gewichen und wir können das Gefühl haben, dort liegt nur noch die Hülle, die der Mensch einmal gewesen ist. Das, was ihn oder sie ausgmacht hat, lebendig gemacht hat, ist verflogen.

Sie haben ein durch die Sängerin Dota vertontes Gedicht von Mascha Kaleko gehört,

Eines Tages wachst du auf und bist nicht mehr am Leben. Über Nacht, wie Schnee und Frost, hat es sich begeben. Aller Sorgen dieser Welt bist du nun enthoben. Krankheit, Alter,, Ruhm und Geld sind wie Wind zerstoben. Friedlich sonnst du dich im Licht einer neuen Küste. Ohne Ehrgeiz , ohne Pflicht. Wenn man das nur wüßte.

Ganz vorsichtig wird hier vom Tod gesprochen, das Ende aller Mühen besungen, ob es das Alter ist, ob es Krankheit ist oder die untrennbar mit dem Leben verbundenen Sorgen, allem enthoben. Und dann kommt ganz leise die kleine Hoffnung, im Gedicht genannt „ das Licht einer neuen Küste“ verbunden mit Unsicherheit und etwas Skespis, „ wenn man das nur wüßte“.

Keiner von uns weiß etwas vom Tod und dem Danach, wir haben die biblischen Texte, die von Auferstehung und Bewahrtwerden sprechen, wie es zum Beispiel im letzten Buch der Bibel heißt: siehe ich mache alles neu. Gott wird abwischen alle Tränen, es wird den Schmerz, das Weinen und den Tod nicht mehr geben.

Sie haben am Eingang der Kirche eine Bildkarte erhalten, Hieronymus Bosch: Aufstieg der Seligen. Hieronymus Bosch lebte im Mittelalter, zu Beginn der sog. Neuzeit, die Reformation war nicht mehr lange hin. Zwischen 1505 und 1515 beschäftigte sich der Künstler mit einem großen Auftrag, dem „Aufstieg der Seligen „. 4 große Tafelbilder wurden das, „Der Aufstieg der Seligen“, „Das Paradies auf Erden“, „Die Hölle“ und der „Fall der der Verdammten in die Hölle“.Er zeigt wie er die Menschen sieht. Die eine Hälfte der Menschheit ist dumm und läßt sich betrügen, die andere Hälfte der Menschen nutzt die anderen aus und es gibt eine große dumpfe Masse an Zuschauenden.

https://www.wikiart.org/de/hieronymus-bosch/aufstieg-der-seligen-1504
Quelle: https://www.wikiart.org/de/hieronymus-bosch/aufstieg-der-seligen-1504

Wenn Sie auf die Bildkarte schauen, dann sehen Sie wie aus dem Dunklen rechts unten im oberen Drittel das Licht hervorbricht. Die Finsternis scheint als Sphäre des Irdischen zurück zu bleiben, eine andere Welt tut sich auf. Helligkeit und Licht brechen herein, wie durch einen Tunnel wird ein Weg erkennbar, an dessen Ende die Quelle des Lichtes zu sehen ist . Dort ganz hinten scheint sich alles in Licht aufzulösen. Menschen sind dorthin unterwegs. Engel kommen und geleiten sie . Jemand steht schon im Licht. Jemand anderes ist gerade dorthin unterwegs mit einem Engel zur Seite.Rechts unten wartet ein Mensch, das ihn ein Engel abholt, das Gesicht staunend und erwartungsvoll, als würde eine Stimme sagen: warte, dein Engel kommt gleich.

Hieronymus malte was kein Mensch wissen kann, was nach dem Tod sein wird. Es war seine Sicht und seine Bilder entstammten der biblischen Welt, die Seele erhält nach dem Tod einen unverweslichen Leib, so hat es Paulus einmal beschrieben: es wird gesät ein natürlicher Leib und auferstehen ein geistlicher Leib.

Hieronymus malte was kein Mensch wissen kann. Es gibt Menschen, die eine Nahtoderfahrung gemacht haben, manches scheint sich zu ähneln, die gemachten Erfahrungen und das Bild von Hieronymus Bosch. Die Nahtoderfahrungen sind außerkörperlich, das Bild vom Tunnel und dem Licht gehört dazu, bereits Verstorbene stehen am Eingang, von Gefühlen von Frieden und Glück und Leichtigkeit wird von Betroffenen berichtet. Viele sagen, sie verloren damit die Angst vor dem Tod.

Natürlich gibt es auch eine physiologische Erklärung für Nahtoderfahrungen: durch den Sauerstoffmangel im Gehirn werden Botenstoffe ausgeschüttet, die Glücksgefühle und Halluzinationen auslösen, auch der Tunnel wird erklärt und zwar soll es sich dabei um eine Blutunterversorgung des Sehzentrums handeln.

Wenn man das nur wüßte. Friedlich sonnst du dich im Licht einer neuen Küste. Ohne Ehrgeiz , ohne Pflicht, wenn man das nur wüßte.

Als Christen können wir Jesus Christus vertrauen, von dem gesagt wird, dass er vom Tod zurückkehrte, im Johannesevangelium lesen wir:

Jesus sagt: Alles, was mir der Vater gibt, das kommt zu mir, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat, dass ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern dass ichs auferwecke am Jüngsten Tage. Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus Amen.

Text: Paul Gerhardt 1666/67, Melodie: "O Haupt voll Blut und Wunden" , Evangelisches Gesangbuch Nr. 529, die Strophen 1+10+11 von 12 Strophen, aufgenommen am Ewigkeitssonntag 2019 in der Friedhofskapelle in Brinkum (Stuhr).
 

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