Archiv Predigten

PredigtEN  der Ev. Kirchengemeinde Erfurt-Südost sind hier für einen Monat nach dem Erscheinen bzw nach dem jeweiligen Gottesdienst nachlesbar bzw nachhörbar

Gottesdienste am 21. März 2021 Judika

Gottesdienste am 21. März 2021 Judika

Feiern Sie mit uns Gottesdienst 

ab 09.30 Uhr in der Gustav-Adolf-Kirche und

ab 11:00 Uhr in der Lukaskirche

Die Predigt von OGP Thomas Riedel können Sie hier nachlesen:  

zu Hiob 19,19-27

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist ein harter Gott und ein blinder Gehorsam, den der Sonntag Judika, („Gott schaffe mir Recht“ Ps 43,1) beschreibt: Ein Gott, der Ungehorsam mit Strafen schlägt und Hiob unverdient ins Unglück stürzt. Ein Gott, der Jesus abverlangt, als Opfer in den Tod zu gehen? Dunkel ist dieser Gott und fern.

In solchen Erzählungen fällt es mir schwer, mir Gott vorzustellen. Unnahbar und fremd kommt mir Gott vor. Fragen ploppen auf, unbequeme Fragen: Warum lässt Gott Leid zu? oder Warum verhindert er es nicht? Oder Ist er sogar selbst der Initiator? Oder vielleicht gibt es Gott überhaupt nicht?
Fragen, die schon viele Menschen vor mir gestellt haben.

Ab hier könnte man in unendliche Diskussionen einsteigen. Philosophen und Theologen wie Leibnitz, Feuerbach, Büchner, Marx oder Nietzsche bemühen. Mit dem Resultat, dass man erkennen muss, eine allgemein gültige Antwort ist nicht zu finden. Was wir über Gott wissen, ist das Resultat Jahrtausende alter Spekulationen, Gedanken, Meinungen und Vorstellungen. Das Leid in der Welt hingegen ist sehr konkret. Es ist mit Händen zu greifen, mit allen Sinnen erfahrbar. Es ist zu hören, zu sehen, zu riechen, zu spüren. Und es ist allgegenwärtig. Mit theologischer und philosophischer Gedankengymnastik kommt man gegen die Realität dieses Leidens nicht an.
Es gibt also nur zwei Möglichkeiten. Entweder man wendet sich ab von Gott und geht davon aus, dass er nicht existiert oder wir versuchen Gott zu finden. Dazu braucht es eine andere Gewissheit: Die gläubige Erfahrung der lebendigen Gegenwart Gottes. Eines Gottes, der es trotz allem, was scheinbar gegen ihn spricht, unendlich gut mit uns meint.

In dem Glauben an einen Gott, der in seiner Menschwerdung das Leid nicht aufhebt, sondern mit uns trägt, der die gefallene Schöpfung nicht einfach ein zweites Mal auslöscht, sondern stattdessen den für beide Seiten mühevollen, langsamen Weg der Heilung wählt. Einen Gott, der mitleidet und mittrauert.

Es ist die Hoffnung, die uns in Jesus Christus begegnet und die unser Leben in allen Herausforderungen und im Leid tragen kann. Das ist die Kraft, die stärker ist als jedes Gedankenkonstrukt, es ist die Kraft des Herzens, es ist die Kraft der Liebe.

Auch Hiob, eine der ältesten Erzählungen der Welt zum Thema Leid, findet letztlich allein Kraft in der Hoffnung und dem Vertrauen auf Gottes Erbarmen. Predigttext Hiob 19,19-27:

19Meine engsten Freunde verabscheuen mich. Sogar diejenigen, die mir am liebsten sind, stehen mir feindselig gegenüber. 20Meine Haut klebt nur noch an den Knochen. Nur das nackte Leben ist mir noch geblieben. 21Habt Mitleid, habt Mitleid mit mir, ihr seid doch meine Freunde! Denn Gott hat mich mit diesem Unglück geschlagen. 22Warum verfolgt ihr mich, wie Gott es tut? Wann hört ihr endlich auf, mich zu zerfleischen? … 25Ich weiß ja doch, dass mein Erlöser lebt. Als mein Anwalt wird er auf der Erde auftreten und zum Schluss meine Unschuld beweisen. 26Mit zerfetzter Haut stehe ich hier. Abgemagert bin ich bis auf die Knochen. Trotzdem werde ich Gott sehen. 27Ich werde ihn mit meinen Augen sehen, und er wird für mich kein Fremder sein. So wird es sein, auch wenn ich schon halb tot bin.

Die Hiobsgeschichte will uns eines vermitteln. Das Einzige, das uns im Leben trägt, ist die Hoffnung, dass Gott sich unser erbarmt. Das tut er jeden Tag aufs Neue in Jesus Christus, der unser Leiden mitträgt und uns zum Leben verhilft, sodass wir eines Tages in Gottes Gegenwart sein werden. Auch hinter der dunkelsten Geschichte scheint es durch: Gott will, dass allen Menschen geholfen wird. „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!“, bekennt Hiob in tiefster Not. Im Vertrauen darauf wird es möglich, sich auf Gott zu verlassen. Damals wie heute.

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie dieses Vertrauen Gott entgegenbringen können. Es lohnt sich. Amen.

Thomas Riedel
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