Archiv Predigten

PredigtEN  der Ev. Kirchengemeinde Erfurt-Südost sind hier für einen Monat nach dem Erscheinen bzw nach dem jeweiligen Gottesdienst nachlesbar bzw nachhörbar

Gottesdienste am 14. März Laetare

Gottesdienste am 14. März Laetare

Wir laden zu unseren Gottesdiensten am 14. März 2021 ein

  • 9:30 Uhr in die Lukaskirche
  • 11:00 Uhr in die Gustav-Adolf-Kirche

Es empfängt Sie OGP Thomas Riedel

Für alle hier sein Text zum Vor- bzw. Nachlesen:  

 

Predigt Joh. 12,20-24

Liebe Leserinnen und Leser,

da sitzt eine alte Frau in ihrem Rollstuhl, sie kann sich kaum aufrecht halten. Sie sitzt allein in ihrem Zimmer im Altenheim. Früh am Morgen wird sie aus dem Bett geholt und abends wieder hineingelegt. Sie kann sich nicht mehr allein bewegen, ist auf Hilfe angewiesen – beim Anziehen, beim Toilettengang, bei jedem nur erdenklichen Wunsch. Sie sitzt da, Tag für Tag, in ihrem Zimmer, und wartet auf Besuch, der ab und zu vorbeikommt.
Für mich eine beklemmende Situation und irgendwie traurig. Ich glaube, ich würde an ihrer Stelle depressiv werden. Doch wenn man sich mit ihr unterhält, stellt man fest, sie ist nicht am Klagen, Jammern oder hätte gar den Wunsch zu sterben. Nein, sie lächelt ihr Gegenüber an und sagt: „Ich bin meinem Gott so dankbar, dass ich noch klar im Kopf bin!“ – Sie hat Frieden, trotz allem Leid.

Kennen Sie auch so einen Menschen? Menschen, die auch dem Schlimmsten noch etwas Gutes abgewinnen. Manche Leute verbreiten Freude, obwohl sie wirklich nichts zu lachen haben. Mich faszinieren solche Persönlichkeiten.

Und auch heute, am Sonntag Lätare (Freue dich …), geht es um Freude und Zuversicht mitten im Leid. Wir befinden uns in der Passions-, in der Leidenszeit Jesu. Und genau während der Leidensankündigung Jesu spricht er davon, dass sein Leiden und Sterben nicht das Hauptaugenmerk haben sollen, sondern das ewige Leben, das, was danach kommt. Er sagt es in einem Bild im Johannesevangelium im 12 Kapitel Vers 24: „Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben, sonst bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“

Mit diesem Vers endet unser vorgegebener Predigttext, der uns als Evangeliumslesung und Predigttext vorgegeben ist. Und nun könnte man Amen sagen und dem Computer ausmachen mit dem Wissen: Jesus wird sterben, damit er viel Frucht bringt.
Aber was hat das mit meiner Vorrede zu tun, mit den Menschen, die auch im Leid Frieden haben.

Liebe*r Leser*in, meiner Meinung nach ist der Predigttext an der falschen Stelle beendet, denn richtig spannend wird es erst in den darauffolgenden Versen. Und deswegen hier die ganze Rede Jesu:
Joh 12,23-26

23Da sagte Jesus zu ihnen: »Die Stunde ist gekommen! Jetzt wird der Menschensohn in seiner Herrlichkeit sichtbar.24Amen, amen, das sage ich euch: Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben, sonst bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.25Wem sein Leben über alles geht, der verliert es. Aber wer sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.26Wer mir dient, muss mir auf meinem Weg folgen. Denn wo ich bin, wird auch mein Diener sein. Wer mir dient, wird beim Vater Anerkennung finden.«

Liebe*r Leser*in, der Predigttext verändert sich diametral, wenn man diese zwei Verse weiterliest. Da ändert sich nämlich die Blickrichtung von Jesus hin zu uns. Plötzlich hat dieser Text etwas mit uns/ mit mir zu tun.

25 Wem sein Leben über alles geht… wer also Ich-zentriert handelt, wem es nur um sich selbst geht, …der verliert es.

Aber wer sein Leben in dieser Welt gering achtet …also nicht egoistisch/ Ich-zentriert ist… sondern Jesus-zentriert, sich also nach Gott und Jesus ausrichtet, … wird es bewahren bis ins ewige Leben.

Jesus verdeutlicht nochmal, was er damit meint, wenn er sagt: Wer sein Leben gering achtet…. Im folgenden Vers 26Wer mir dient, muss mir auf meinem Weg folgen. Denn wo ich bin … das ist die Perspektive, nämlich die Ewigkeit/ sein Reich, wird auch mein Diener sein … wir werden also bei Gott sein. Wer mir dient, wird beim Vater Anerkennung finden.“

Die Aufforderung ist klar: Binde dich an Gott, so wie ein Diener sich an seinen Hausherrn bindet. Oder anders gesagt: Du denkst, du bist der Herr deines Lebens, aber letztlich hast du dein Leben nicht in der Hand. Leben und Sterben liegen in Gottes Hand. Darum macht es Sinn, auch mit Gott durch das Leben zu gehen.

Ich denke, wenn wir dieser Aufforderung folgen, Jesus Christus als Orientierungspunkt für unser Leben zu nehmen, dann verändert das auch unsere Sichtweise auf uns und unser Leben. Vielleicht ermöglicht uns das ja auch, dass wir uns freuen können – allem Leiden zum Trotz!

Ich wünsche Ihnen von Herzen, das Sie in der Begegnung mit Jesus Frieden und Freude finden, trotz mancher Herausforderung und schweren Zeiten.

Gott segne Sie!

 

Thomas Riedel
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