Archiv Predigten

PredigtEN  der Ev. Kirchengemeinde Erfurt-Südost sind hier für einen Monat nach dem Erscheinen bzw nach dem jeweiligen Gottesdienst nachlesbar bzw nachhörbar

Gottesdienst zum Sommer (Predigt)

Gottesdienst zum Sommer (Predigt)

am 5.7.2020 um 10 Uhr in der Gustav-Adolf-Kirche

mit Pfarrerin Susanne Sydow

Die Gnade Gottes, die Liebe Jesu Christie und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen

Liebe Schwestern und Brüder,

vielleicht haben Sie schon einmal etwas von der Dichterin Mascha Kaleko gehört. 1907 in Polen als Kind einer jüdischen Familie geboren, flohen die Eltern mit dem Kind aus Angst vor den Progromen nach Berlin. Berlin wurde zur zweiten Heimat für Mascha Kaleko. 1933 erschien der erste Gedichtband von ihr und als der zweite Band in Druck gehen sollte, wurde ihr Werk verboten. Sie ging ins Exil nach Amerika, entging so dem Schicksal der deutschen jüdischen Bevölkerung. Nach 1945 lebte sie mit ihrem Ehemann in Israel. Fast am Ende ihres Lebens hatte sie sich an Deutschland wieder angenähert und wäre gern nach Berlin gezogen. Sie starb bevor sie diesen Plan in die Tat umsetzen konnte. Das war im Jahr 1975. Neben Verfolgung und Exil war der Tod ihres 31 jährigen Sohnes ein sehr erschütterndes und einschneidendes Ereignis, von dem die sich nie wieder wirklich erholt hat. Die Themen Angst, Heimatlosigkeit und Sehnsucht gehören zu ihrem Leben und zu ihrem Werk und prägen dieses.

Dies in aller Kürze als kleiner Überblick und als kleine Einführung zu Mascha Kaleko.

Es gibt viele Gedichte, die uns auch heute noch berühren.

So gibt es eine Gedichtzeile, in der es heißt: Die Nacht, in der das Fürchten wohnt, hat auch die Sterne und den Mond. Ein ganz einfacher Satz, der uns rühren kann und trösten kann.

Bei uns scheint in dieser Jahreszeit oft die Sonne, es ist Juli, es ist Sommer und trotzdem ist unser Leben anders geworden als im vergangenen Jahr.

Wir sind unsicherer geworden, Abstände sind verordnet oder haben sich von allein eingestellt,

Pläne können nicht so ohne weiteres verwirklicht werden, manche Vorfreude aus den letzten Monaten fand keine Erfüllung. Da beginnt die Angst umzugehen, Angst lähmt, Angst macht unsicher, Angst kann auch aggressiv machen.

Die Dichterin Mascha Kaleko kannte die Angst und sie fand Worte gegen die Angst.

Die Nacht, in der das Fürchten wohnt, hat auch die Sterne und den Mond.

Eine kleine Gedichtzeile nur und doch klingt sie gänzlich anders als die üblichen Tröstungen, die wir so kennen: wo Schatten ist , ist auch Licht  oder alles hat 2 Seiten. Solche Vertröstungen helfen meist nicht, auch der Hinweis: schau nach vorn, ist selten wirklich hilfreich.

Diese kleine Zeile jedoch kann vielleicht gegen halten gegen die Angst.

Die Krise , die Ängste begrenzen unseren Blick, wir schauen nach hinten, nach unten, zur Seite , jedoch nicht in die Höhe, nicht zum Himmel. Wir haben keinen freien Blick mehr, wenn wir Angst haben, weil wir krank sind, weil wir einen lieben Menschen verloren haben, weil wir uns Sorgen machen wegen des Covid 19 Virus.

Die Angst in der Nacht macht uns einsam und verlassen.

Die Nacht, in der das Fürchten wohnt, hat auch die Sterne und den Mond.

Die Bibel sagt uns, dass Gott an unserer Seite ist, nur wir fühlen es oft nicht.

Dass wir Gott nicht spüren, bedeutet aber nicht automatisch, dass er nicht doch an unserer Seite ist, dass er uns nicht doch leuchtet wie ein Stern am Himmel, wie der helle Mond in dunkler Nacht.

Jesus sagte von sich: ich bin das Licht der Welt und der Psalmbeter weiß von Gott, dass die Finsternis nicht finster ist bei Gott. Sie haben einen Auszug aus dem Psalm 139 am Anfang des Gottesdienstes gehört.

Der Psalmbeter vertraut darauf, dass Gott jede Nacht mit einem neuen tag beenden kann.

Wenn uns das Leben schwerfällt, können wir immerhin eine Kerze anzünden und dadurch wissen, wir sind nicht allein.

Es ist anstrengend in angstbesetzten oder schwierigen Zeiten eine andere Lebenshaltung zu finden als die bisher vertraute und bewährte.

Die Dinge ändern sich, nicht immer zum Guten, aber manchmal doch.

Jede Krise birgt die positive Möglichkeit zur Veränderung in sich.

Viel Angst kann überwunden werden, selbst wenn noch ein Rest Angst bleibt, kann sie doch kleiner werden.

Die Nacht, in der das Fürchten wohnt, hat auch die Sterne und den Mond.

Und die Sterne am Himmel scheinen in jeder Nacht, auch dann, wenn wir sie nicht sehen können.

Die Nacht, in der das Fürchten wohnt, hat auch die Sterne und den Mond.

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus .Amen

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