Archiv Predigten

ausgewählte PredigtEN  der Ev. Kirchengemeinde Erfurt-Südost sind hier für einen Monat nach dem Erscheinen bzw nach dem jeweiligen Gottesdienst nachlesbar bzw nachhörbar

Gottesdienst zum Erntedank- und Gemeindefest 2022

Gottesdienst zum Erntedank- und Gemeindefest 2022

Am 25.09. feiern wir Erntedank- und Gemeindefest ab 10:30 Uhr in der Gustav-Adolf-Kirche

Lesen Sie hier die Predigt zum Tag


Im Rahmen dieses Festes gibt es auch ein Konzert mit:

 

Weisser Astrachan – Schöner von Bath – Charlamowsky – Ohm Paul – Böhmischer Rosenapfel -Roter geflammter Kardinal- Rheinlands Ruhm -Engelberger-Karmeliterrenettte – Hartapfel- Roter Taubenapfel – Holzollingr Rambur – Corbiniansapfel

Liebe Schwestern und Brüder, diese Aufzählung ließe sich noch verlängern, was Sie eben gehört haben, sind alles Apfelsorten und wenn ich Sie jetzt frage, was ein Pomologe ist, dann ahnen Sie vielleicht die Antwort: ein Pomologe ist ein Apfelkundler. Ich möchte jetzt nicht auf die Vertreibungsgeschichte von Adam und Eva wegen des Apfels ( was nicht in der Bibel steht, aber trotzdem alle wissen, das es sich um einen Apfelbaum gehandelt haben muß) eingehen, sondern ich möchte Ihnen eine kleine Lebensgeschichte erzählen, auf die ich im Sommer gestoßen bin. Ich möchte Ihnen von dem kath Pfarrer aus Bayern von Korbinian Aigner erzählen. 1885 geboren in Hohenpolding entstammte er einer Großbauernfamilie und wurde auf eigenen Wunsch in die Ausbildung zum Priester gegeben. Ganz leicht fiel ihm das Lernen wohl nicht und auch der berufliche Start war alles andere als einfach und glatt. Er hat es nicht gern gehört, wenn er der Apfelpfarrer genannt wurde, aber er besaß einen großen Sachverstand für Obst insbesondere für Äpfel und Birnen. Er hat wunderbare Bilder von diesem Obst gemalt, er gründete einen Obstverein und in seinen Wanderjahren als Hilfsgeistlicher unterrichtete er die Bauern über die vielen Möglichkeiten, die im Obstanbau liegen. Seine Vorgesetzten sagten über ihn: Er ist mehr Pomologe als Theologe. 1931 erhielt er seine eigene Pfarrstelle. Er weigerte sich anlässlich der Reichtagswahlen 1933 die Glocken zu läuten und eckt an, wird staftversetzt, wird 1939 von dem Kreisbauernführer Münsterer denunziert, kommt erst ins Gefängnis und später ins KZ Dachau als politischer Häftling-. Es gab dort in Dachau eine Kräuterplantage, wo er aus Apfelkernen Sämlinge zieht, 130 solcher Apfelpflänzchen läßt er aus dem Lager schmuggeln, aus vieren dieser Setzlinge werden neue Apfelsorten , er nennt sie schlicht KZ 1 , KZ 2, KZ 3 , KZ 4, und eine Sorte von den vieren setzt sich später als eigenständige Apfelsorte durch und das ist KZ 3 der Korbiniansapfel. Man darf sich das aber nicht so einfach vorstellen, Apfelsämlinge zu ziehen, die Sämlinge wurden aus den Apfelkernen gezogen. Ich ahne die Mühe, die damit verbunden war.

1945, wenige Tage vor Kriegsende gelingt Pfarrer Aigner die Flucht, er kehrt zurück in seine Pfarrstelle Hohenbercha und lebt und wirkt dort als Apfelkundler und Pfarrer bis zu seinem Tod 1966. In dem Mantel mit dem roten Winkel für politische Gefangene läßt er sich beerdigen.

Warum ich Ihnen dieser Geschichte erzähle? Weil sie mich beeindruckt hat und weil ich in ihr etwas entdeckt habe, was uns heute manchmal zu fehlen scheint und zwar ist das die Widerstandskraft, die man im Leben eben auch benötigt.

Wenn ich unsere Gesellschaft anschaue, sind wir doch sehr mit uns selbst beschäftigt. Wir sind so beschäftigt damit, uns vielen Gefahren zu entziehen, dass wir die wirklichen Gefahren, Klimawandel, Krieg, Armut verdrängen. In einem Essay habe ich den schönen Satz gelesen: Angeschnallt und mit Helm auf dem Kopf sitzt der Bürger geimpft, gesundheitsüberwacht und rauchfrei hinter den Airbags, die er zwischen sich und das Leben montiert hat. (Alexander Grau, In der Angstspirale).

Und wir sollten aber Angst haben und zwar an der richtigen Stelle, Angst gehört zum Überlebensmodus des Menschen und hat ihn befähigt, in Gefahrensituationen zu überleben. Aber dieser gesunde Impuls im Menschen ist einem Sicherheitsdenken gewichen, das uns nicht hilft. Immer neue Regelungen, Vorschriften und Verbote gaukeln uns Sicherheit vor. Die eigentliche Gefahr liegt nicht im rauchenden Nachbarn, um mal ein plattes Beispiel zu nennen, die eigentliche Gefahr liegt im maßlosen Anspruch der Menschen auf Konsum, Energie, Fleisch, mehr, schneller, weiter, höher, das Mantra unseres Lebens

und sie liegt im Kapitalismus als gesellschaftlichem System. Davor müssen wir wirklich Angst haben.

Und als Christen müssen wir an dieser Stelle auch die Frage nach Gott stellen, hat er wirklich uns alle nur lieb so wie wir sind, Katastrophen werden in der Bibel durchaus als Aufruf zu Umkehr und Strafe verstanden.

 Korbinius Aigner war ein frommer Mensch, er hatte mit den Äpfeln etwas gefunden, wo es sich für ihn lohnte zu leben und sich anzustrengen, nicht nur in Freiheit sondern auch in Gefangenschaft. Seine Bemühungen um Äpfel und auch Birnen verstand er als Dienst an der Schöpfung.

Er hat diese Widerstandskraft besessen, die wir heute Resilienz nennen, die aus dem Glauben kommt und aus der Persönlichkeit eines Menschen.

Und von diesem Glauben und von dieser Widerstandskraft wünsche ich mir , Ihnen, wünsche ich uns eine große Portion.

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus Amen.

 

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