Archiv Predigten

PredigtEN  der Ev. Kirchengemeinde Erfurt-Südost sind hier für einen Monat nach dem Erscheinen bzw nach dem jeweiligen Gottesdienst nachlesbar bzw nachhörbar

Gottesdienst zum 5. So. n. Trinitatis

Gottesdienst zum 5. So. n. Trinitatis

Am 4. Juli läd OGP Thomas Riedel zum Gottesdienst 

ab 09:30 Uhr in die Gustav-Adolf-Kirche Erfurt ein.

Hier können Sie seine Predigt vor- bzw nachlesen:

1.Kor 1,18-25 Predigt

Liebe Gemeinde,

Charles Bukowski, ein US-Amerikanischer Dichter und Schriftsteller, soll einmal gesagt haben: „Auf den ganzen Schlamassel gehört ein Grabstein mit der Aufschrift: Menschheit, du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu.“

Ich weiß nicht, wie und in welche Situation er das gesagt hatte, aber immer wieder beschleicht mich der Gedanke, dass da etwas dran sein könnte.

Da sehe ich Bilder von der Zerstörung der Natur: brennender Regenwald, riesige Minen in Afrika und Südamerika, durch die auf der Suche nach seltenen Erden und anderen Metallen die Erdkruste aufgerissen wird, Wasser wird vergiftet, als gäbe es das im Überfluss. „Plastikteppiche“ aus alten Plastikflaschen treiben im Ozean. Mikroplastik wird in Tieren und an den abgelegensten Stellen der Erde entdeckt. Immer wieder warnen Wissenschaftler davor, dass es einen Kipppunkt geben wird, z. B. beim Klima. Wie viel Zerstörung erträgt unser Lebensraum noch? Welches Lebewesen zerstört sein eigenen Lebensraum- da fällt mir nur der Mensch ein.

Dann höre ich davon, dass die Reichen immer reicher werden, meistens auf Kosten anderer ärmerer Menschen. Kriege zerstören Lebensräume, Millionen Menschen müssen fliehen, haben kein Dach über dem Kopf und sind nirgendwo willkommen.
Hass und Ablehnung paaren sich mit Angst und Überheblichkeit, in dem Gefühl etwas Besseres zu sein als der Andere.

Wenn ich das so sehe, dann frage ich mich: Ist dies das Vermächtnis der Menschheit? Zeigt sich so die Weisheit der Menschen? Oder um mit Charles Bukowski zu sprechen: „Hatte die Menschheit von Anfang an nicht das Zeug dazu?“

Offensichtlich entscheiden sich Menschen in ihrem Handeln eher für den eigenen Vorteil. Oft nach dem Motto: Erst komm ich … und nach mir die Sintflut.

Und doch habe ich die Hoffnung, dass das nicht so sein muss! Ich bin davon überzeugt, dass wir uns ändern können. Jedoch vielleicht nicht aus eigener Kraft, so wie es die Humanisten sich vorstellen. Ich denke und spreche da aus eigener Erfahrung, dass sich in der Verbindung mit Christus unser Wertehorizont ändert.

Manch einer, gerade in wissenschaftlichen und humanistischen Kreisen, kann diesen Bezug zu Christus nicht nachvollziehen. Das war schon vor 2000 Jahren so, denn im Predigttext schreibt Paulus folgendes an die Gemeinde in Korinth, einer Stadt, die voll von hellenistischen Gelehrten sowie Philosophen und anderen Überzeugungen war.

1.Kor. 1,18 Mit der Botschaft vom Kreuz ist es nämlich so: In den Augen derer, die verloren gehen, ist sie etwas völlig Unsinniges; für uns aber, die wir gerettet werden, ist sie ´der Inbegriff von` Gottes Kraft. 19 Nicht umsonst heißt es in der Schrift: »Die Klugen werde ich an ihrer Klugheit scheitern lassen; die Weisheit derer, die als weise gelten, werde ich zunichtemachen.« 20 Wie steht es denn mit ihnen, den Klugen, den Gebildeten, den Vordenkern unserer Welt? Hat Gott die Klugheit dieser Welt nicht als Torheit entlarvt? 21 Denn obwohl sich seine Weisheit in der ganzen Schöpfung zeigt, hat ihn die Welt mit ihrer Weisheit nicht erkannt. Deshalb hat er beschlossen, eine scheinbar unsinnige Botschaft verkünden zu lassen, um die zu retten, die daran glauben. 22 Die Juden wollen Wunder sehen, die Griechen fordern kluge Argumente. 23 Wir jedoch verkünden Christus, den gekreuzigten Messias. Für die Juden ist diese Botschaft eine Gotteslästerung und für die anderen Völker völliger Unsinn. 24 Für die hingegen, die Gott berufen hat, Juden wie Nichtjuden, erweist sich Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit.

Liebe Gemeinde, ich glaube daran, dass eine Verbindung mit Gott wirklich einen Unterschied macht. So wie es im Text heißt, geht es dabei nicht um Wissen, sondern um Vertrauen.
Ich glaube daran, dass Menschen, die mit Gott verbunden sind, ihr Handeln und Denken anders reflektieren. Ja, niemand ist perfekt, auch Christen nicht. Und doch bin ich davon überzeugt, dass lebendige Christen durch ihren Glauben an Jesus die Welt zum Positiven verändern können.
Denn Gott wirkt in uns, sodass egoistisches Handeln kleiner wird und der Nächste in den Blick kommt. Ich bin davon überzeugt, dass Christen Interesse haben an Themen wie Bewahrung der Schöpfung, Vergebung, Versöhnung und Gleichberechtigung. Alles gewirkt durch den Geist Gottes, der befähigt und stärkt.

Ja, Glauben ist nicht einfach. Gerade an einen Gott, den man nicht sieht und oft auch nicht spürt. Es erfordert Mut und Vertrauen, etwas zu wagen, auch wenn die Erfahrung dagegenspricht. Auch der Glaube ist ein Wagnis – aber es lohnt sich.

Denn durch ihn gibt es Hoffnung, dass die Menschheit vielleicht doch das Zeug hat, alles gut werden zu lassen.

Amen.

Voriger Beitrag... / Zurück zur Übersicht. ... / Nächster Beitrag...