Archiv Predigten

PredigtEN  der Ev. Kirchengemeinde Erfurt-Südost sind hier für einen Monat nach dem Erscheinen bzw nach dem jeweiligen Gottesdienst nachlesbar bzw nachhörbar

Gottesdienst zum 4. Advent 2020

Gottesdienst zum 4. Advent 2020

Seien Sie herzlich eingeladen zu unserem 4. Advents- Gottesdienst am

20.12.2020 ab 11:00 Uhr in der Gustav-Adolf-Kirche unter Einhaltung der Coronaverordnungen.
Es läd ein: ODP Thomas Riedel
Orgel: Christina Wolf-Dreißig
Predigt zum Nachlesen:

Predigt zu 2.Kor. 1,18-22 (4.Advent)

Liebe Leser*innen,

„Vorfreude ist die schönste Freude“, so verspricht uns der Volksmund. Vielleicht kennen Sie das ja auch. Mir geht es zum Beispiel so, wenn ich mich auf meinen Urlaub vorbereite. Dann liegt eine Spannung in der Luft. Die Reiseführer wälzen, schon mal bei Google Earth einen ersten Blick wagen, das Wetter am Zielort checken, und überlegen, was man da alles machen kann. Auch wenn es noch viele Monate dauert, bis es so weit ist, das bereitet mir große Freude. Das fühlt sich manchmal an wie ein Lebenselixier.

Wie es scheint, geht es nicht nur mir so, denn ein US-amerikanischer Psychologe hat einmal dieses Lebenselixier untersucht, das da heißt: Vorfreude. Dabei hat er herausgefunden, dass Menschen, die sich auf ein Erlebnis/Ereignis freuen, mehr und länger Freude empfinden, als wenn sie sich auf etwas Materielles freuen. Also wenn ich mir vornehme, eine Jacke zu kaufen, ist mein Glücksgefühl nicht so anhaltend und intensiv, wie wenn ich mich auf ein Ereignis freue.

Und damit sind wir natürlich genau bei dem Thema dieses Sonntags, nämlich bei der Vorfreude auf ein Ereignis namens Weihnachten.

Meine These: Gelingende Adventszeit, hängt stark von der Vorfreude auf Weihnachten ab.

Wie viel Vorfreude haben Sie dieses Jahr auf Weihnachten?

Vielleicht ist ja Ihre Freude getrübt in dem Wissen, dass die Kinder dieses Jahr nur über Videotelefonie zu sehen sind. Vielleicht fragen Sie sich, wie Weihnachten werden soll, wenn es keinen Gemeindegesang geben wird. Oder vielleicht mögen Sie gar nicht an Weihnachten denken, weil ein lieber Mensch gerade im Krankenhaus ist. Oder wie es einer Bekannten von mir geht, die gar nicht weiß, wie sie Weihnachten überstehen soll, weil letztes Jahr an Heiligabend ihr Mann verstorben ist.

Wie kann da Vorfreude aufkommen?!

Liebe Leser*innen, auch wenn Weihnachten dieses Jahr anders wird, der Grund für Weihnachten ist derselbe. Und der ist unabhängig von der äußeren Gestaltung oder Begebenheiten dieses Festes.

Denn der Grund, warum wir uns trotzdem freuen dürfen, heißt Jesus Christus! (1.Kor. 3,11)

Die Adventszeit erzählt uns, dass Gott uns nahe kommt und dass dies feststeht. Gott steht zu seinem Wort, zu seiner Verheißung.
Ich lese Ihnen den Predigttext für den heutigen Sonntag.

(2. Kor.1, 18) Bei der Treue Gottes, unser Wort an euch ist nicht Ja und Nein zugleich. 19 Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der unter euch durch uns gepredigt worden ist, durch mich und Silvanus und Timotheus, der war nicht Ja und Nein, sondern das Ja war in ihm. 20 Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zur Ehre. 21 Gott ist's aber, der uns fest macht samt euch in Christus und uns gesalbt hat 22 und versiegelt und in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat.

Drei kurze Impulse zu diesem Predigttext:

> Das Wirken Jesu Christi…

Um Jesus Christus und sein Wirken richtig verstehen zu können, müssen wir sein Wirken und Handeln in den Kontext des Alten Testaments (AT) setzen. Im AT wird uns erzählt, dass sich der Mensch durch sein Handeln von Gott getrennt hat. Gleichzeitig spricht Gott seine Verheißung aus, dass diese Trennung nicht von Dauer sein und von ihm überwunden wird. Bei diesem Bild spielt die Sterblichkeit des Menschen eine wichtige Rolle. Denn der Tod kann von keinen Menschen überwunden werden- so sehr er sich auch anstrengt. Und nun kommt Christus ins Spiel. Christus schenkt Leben durch den Tod hindurch. Darin wird die Verheißung Gottes für die Menschen erfüllt. Die dauerhafte Trennung zwischen Gott und Mensch wird in Christus überwunden. Deshalb ist Jesus das JA zur Verheißung und gleichzeitig das Amen, also die Erfüllung. (Vers 20: Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zur Ehre.)

In Christus sehen wir in vollkommener Weise die Haltung Gottes den

Menschen gegenüber- seine vollkommene Liebe, in der er Mensch wird und sich bis in den Tod gibt. Und in Christus sehen wir ebenso, was Gott wünscht, was wir für Ihn sein sollen- nämlich Engagierte - Täter des Wortes. Menschen die nicht nur sich selbst Lieben, sondern auch Gott und ihren Nächsten.

> Was folgt für uns…

Das eigentliche Wunder ist, dass Gott uns dazu gebraucht, seine Herrlichkeit durch uns zu zeigen. Ein Paradox. Gerade in unserer Schwachheit und Unvollkommenheit benutzt Gott, um seine Größe zu verdeutlichen. Er könnte ja ganz platt sagen: „Du bist so fehlerhaft, du bist schwach, du hast Angst, dich kann ich für mein Vorhaben nicht gebrauchen.“ Aber nein, ganz im Gegenteil, er sagt: „Ich werde deine Schwachheit ausfüllen mit meiner Kraft, damit daran offenbar wird, wie groß ich bin.“

Und darin traut uns Gott etwas zu.

„Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt.“ so heißt es in Mt. 5,13

Unser Tun ist nicht vergeblich, unser Wirken ist nicht umsonst, sondern es macht den Unterschied. Und wird unser Menschseins aufgewertet und bekommt Bedeutung.

> Eine Verbindung mit Gott…

Damit Gottes Herrlichkeit in uns sichtbar werden kann, sind wir mit Christus verbunden – durch die Taufe und das Abendmahl. In unserem Predigttext heißt es: V21: Gott ist's aber, der uns fest macht samt euch in Christus und uns gesalbt hat 22 und versiegelt hat.

Wie kann das geschehen? Ich denke, das Geheimnis, in der Kraft Gottes zu wirken, liegt darin, dass unser Herz mit Christus verbunden ist. Das wir an ihn Glauben und auf ihn Vertrauen.

Zusammenfassung:

  • Christus hat die Verbindung zu Gott wieder hergestellt.
  • Wir sind durch die Kraft Gottes mit ihm verbunden
  • In dieser Verbindung zeigt sich die Herrlichkeit Gottes in unserem Tun.

Die adventliche Vorfreude kann sich letztlich auf diesen Dreierschritt berufen.

Denn sie speist sich in dem Rückblick, dass Christus in die Welt gekommen ist. In der Gewissheit, dass Gott in und durch uns wirkt. Und aus der Erwartung, dass Christus wiederkommen wird, um es zu vollenden.

Und somit zieht die Vorfreude im Advent ihre Kraft aus den Ereignissen, die schon geschehen sind und die noch kommen werden.

Die äußeren Umstände, die unsere Adventszeit ausmachen, sind eigentlich nur hübsches Beiwerk. Ich wünsche Ihnen einen gesegneten 4. Advent voller Vorfreude auf den, der da kommt.

Amen.

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