Archiv Predigten

ausgewählte PredigtEN  der Ev. Kirchengemeinde Erfurt-Südost sind hier für einen Monat nach dem Erscheinen bzw nach dem jeweiligen Gottesdienst nachlesbar bzw nachhörbar

Gottesdienst am Pfingstmontag

Gottesdienst am Pfingstmontag

Am Pfingstmontag lädt Herr Lutz Ludwig Sie zum Pfingstgottesdienst 

ab 10 Uhr in die Gustav-Adolf-Kirche ein.

Hier seine Predigt zum Nachlesen

Pfingstmontag

Predigttext: 4. Mose 11,11-12.14-17.24-25(26-30)

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

Amen 

Liebe Gemeinde,

die Apostelgeschichte erzählt vom ersten Pfingsttag in wundersamen Bildern. Kraftlose Menschen werden angerührt von der Kraft, die Gott ihnen schickt. Menschen, denen Gott fern gerückt war, erfahren seine Nähe. Wo Trennung war, erleben sie Gemeinschaft. Auch verschiedene Sprachen hindern das Gemeinsame nicht. Was für eine ungeheure Energie zeigt sich in dieser Geschichte. Vielleicht haben Sie selbst schon einmal eine ähnlich überwältigende Erfahrung gemacht. Dass die neu machende und stärkende Kraft Gottes in Ihr Leben gebraust ist.

Vielleicht denken Sie aber auch: So etwas sollte mir einmal passieren! Ich könnte die Kraft Gottes auch so gut gebrauchen! Der heutige Predigttext lädt uns ein, den Weg eines Menschen mitzugehen, der die Kraft Gottes auch dringend braucht. Er ist am Ende seiner Kraft, fühlt sich von allen guten Geistern verlassen. Es ist Mose.
Mit dem Gottesvolk auf dem Weg zwischen Ägypten und dem versprochenen Land.

Hören wir den heutigen Predigttext aus dem 4. Buch Mose.

11 Und Mose sprach zu dem Herrn: Warum bekümmerst du deinen Knecht? Und warum finde ich keine Gnade vor deinen Augen, dass du die Last dieses ganzen Volks auf mich legst?  12Hab ich denn all das Volk empfangen oder geboren, dass du zu mir sagen könntest: Trag es in deinen Armen, wie eine Amme ein Kind trägt, in das Land, das du ihren Vätern zugeschworen hast? 
14 Ich vermag all das Volk nicht allein zu tragen, denn es ist mir zu schwer. 

15 Willst du aber doch so mit mir tun, so töte mich lieber, wenn anders ich Gnade vor deinen Augen gefunden habe, damit ich nicht mein Unglück sehen muss.

Das Gottesvolk ist unterwegs ins gelobte Land unter der Führung des Moses. Doch immer wieder ist das Volk auch hoffnungslos. Und Mose? Er steht zwischen Gott und dem Volk.

Er ärgert sich darüber, wenn das Volk die Zeichen der guten Gegenwart Gottes immer wieder recht schnell vergisst. Auf der anderen Seite lässt ihn das Weinen des Volkes auch nicht unberührt. Er will ihnen ja helfen. Aber wie?

Ein Theologe, der sich besonders mit der Situation erschöpfter Helfer auseinandergesetzt hat, beschreibt die Lage so: »Menschen in Not senden oft besonders saugende und klammernde Impulse und Energien aus, denen man sich nur schwer entziehen kann. Nicht selten verhalten sie sich auch nicht mehr wie Erwachsene, sondern wie Kinder: kopflos, hilflos, verzweifelt«

Ich stelle mir vor, Mose erlebt da etwas Ähnliches. Das Volk zieht alle Energien von ihm ab. Und er kann nichts tun. Deshalb wird ihm seine Aufgabe zur unerträglichen Last. Was einmal eine besondere Herausforderung war, erlebt er jetzt regelrecht als Strafe.

Ein weinendes Kind zu versorgen ist schon eine Kunst, die viel Kraft, Geduld und Einfühlungsvermögen fordert. Aber ein ganzes Volk wie eine Amme zu nähren, zu stärken, zu trösten das ist auch für den Gottesmann eindeutig zu schwer. Es zerreißt ihn fast. Da ist der in der Pflicht, der den Kindern das Leben geschenkt hat! Von der Aufbruchstimmung, von der Hoffnung auf das gute Leben, das Gott dem Volk verheißen hat, ist hier nichts mehr zu spüren.

Menschen am Ende ihrer Kraft, die gibt es auch heute, liebe Gemeinde. Das wissen wir.

Gestatten sie mir an dieser Stelle ein Beispiel zu nennen. Ein Mann pflegt seit Jahren seine kranke Frau. Sie ist mehr und mehr ein anderer Mensch geworden. Er erkennt in ihr kaum noch die Frau, die er geheiratet, mit der ihn eine lange Geschichte verbindet. Der gemeinsame Weg, der gegenseitige Austausch an Gedanken und Erfahrungen. Das Miteinander-Wachsen. Das gegenseitige Nehmen und Geben. Was ist davongeblieben? Selbst nachts muss er mehrmals aufstehen. Er tut, was er kann. Aber auch er ist ein alter Mann. Am Rande seiner Kraft.

Liebe Gemeinde, Sie haben eigene Erfahrungen vor Augen oder Menschen aus Ihrem Umfeld fallen Ihnen ein, denen es ähnlich geht. Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, dass der eine oder andere, wie Mose ein Stoßgebet zum Himmel schickt und klagt »Gott, warum mutest du mir das jetzt auch noch zu!
Es ist mir alles zu viel. Es ist mir zu schwer! Bei aller Liebe – Ich kann nicht mehr!“ 

Als Menschen, die im biblisch-christlichen Glauben verwurzelt sind, leben wir aus der Hoffnung, dass Gott gutes Leben für uns will und bereithält. Aber dieser Glaube ist ja kein Besitz. Er wurzelt in der Beziehung zu Gott. Auch unser Glaube braucht immer wieder Nahrung, die uns schon jetzt etwas vom guten Leben schmecken lässt. Wenn die Not zu groß ist, kann einem auch das Gottvertrauen verloren gehen. Selbst ein Gottesmann wie Mose ist davor nicht gefeit.

Immerhin zieht Mose sich in seinem Frust nicht ganz von Gott zurück. Er nimmt sich Raum zum Beten. Mose wendet sich an Gott gerade in seiner Not. Er klagt ihm seine ganze Erschöpfung. Und nicht nur das. Er klagt Gott direkt an, fordert dessen Fürsorge ein. Er entlässt ihn nicht aus der Verantwortung. Und sein Gebet bleibt nicht ohne Antwort.

Hören wir weiter im Predigttext:

16 Und der Herr sprach zu Mose: Sammle mir siebzig Männer unter den Ältesten Israels, von denen du weißt, dass sie Älteste im Volk und seine Amtleute sind, und bringe sie vor die Stiftshütte und stelle sie dort vor dich, 

17 so will ich herniederkommen und dort mit dir reden und von deinem Geist, der auf dir ist, nehmen und auf sie legen, damit sie mit dir die Last des Volks tragen und du nicht allein tragen musst.

24 Und Mose ging heraus und sagte dem Volk die Worte des Herrn und versammelte siebzig Männer aus den Ältesten des Volks und stellte sie rings um die Stiftshütte. 

25 Da kam der Herr hernieder in der Wolke und redete mit ihm und nahm von dem Geist, der auf ihm war, und legte ihn auf die siebzig Ältesten. Und als der Geist auf ihnen ruhte, gerieten sie in Verzückung wie Propheten und hörten nicht auf.

Am Tiefpunkt seiner Kraft und seines Gottvertrauens angelangt, bekommt Mose von Gott einen interessanten Auftrag Er soll Menschen suchen, die mit ihm Verantwortung übernehmen können. Älteste, die das Volk vertreten.

Gott braucht Mose gar nicht als den Super-Helden. Er will ihn als Menschen aus Fleisch und Blut. Mit Stärken und Grenzen. Du bist nicht allein. Du musst nicht die Last allein tragen!

Gott lässt Mose nach Menschen suchen, die ihn entlasten.

Der Geist Gottes wird nicht weniger oder kleiner, wenn er geteilt wird. Der Geist Gottes ist wie eine Flamme. Sie kann eine andere Flamme entzünden und verliert dadurch doch nichts von ihrer Kraft. Der Geist Gottes ist wie die Liebe.

Zu Pfingsten feiern wir, dass Gott Menschen nahekommt mit seiner Kraft.

Gott will auch uns nahekommen. Er will uns einbinden in die Gemeinschaft derer, die tragen – und auch wenn die eigene Hoffnung wankt – von seiner Kraft und seinem Geist getragen werden.

Amen.

Und der Friede Gottes welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen

Predigtvorlage: Pfarrerin Steffi Gauger, Panoramastr. 37, 74321 Bietigheim-Bissingen

 

 

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