Archiv Predigten

PredigtEN  der Ev. Kirchengemeinde Erfurt-Südost sind hier für einen Monat nach dem Erscheinen bzw nach dem jeweiligen Gottesdienst nachlesbar bzw nachhörbar

Gottesdienst 02. August 2020

Gottesdienst 02. August 2020

09:30 Uhr Gustav-Adolf-Kirche
gefeiert mit OGP Thomas Riedel

Predigt zu Joh. 9,1-7

Liebe Gemeinde,

letzte Woche, bei unserem Ferienangebot, haben wir eine Fahrradtour gemacht. Alles lief gut, bis auf einen kleinen Unfall – ein Kind stürzte. Niemand kam ernsthaft zu Schaden. Im Nachgespräch, als wir uns mit dem Kind unterhielten, fing es an, die Schuld für das Malheur bei uns zu suchen. Die Strecke sei zu schwer gewesen, die Beschaffenheit der Strecke nicht gut genug… usw. Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass es beim Fahrradfahren einen Apfel gegessen hatte und dabei die Hände nicht immer am Lenker haben konnte. Wer war jetzt schuld an dem Unfall? Wir oder das Kind?

Einen Schuldigen suchen, das liegt uns anscheinend im Blut. Es ist immer der ANDERE – der Lehrer, der besonders streng ist, die Nachbarin, die so laut ist, der schlecht bezahlte Job, die Ausländer, die Politik oder sogar Bill Gates. Irgendjemand ist immer schuld. So kann man sich sein Leben auch ganz schön schwer machen, immer auf das Versagen des Anderen angewiesen zu sein.

So ticken wir Menschen anscheinend schon seit Jahrtausenden, denn die Frage nach Schuld stellten schon die Jünger Jesu. Ich lese Ihnen den Predigttext aus Johannes 9,1-7:

Die Heilung eines Blindgeborenen

1 Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war.

2 Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?

3 Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm.

4 Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.

5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt

6 Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden

7 und sprach zu ihm: Geh zu dem Teich Siloah – das heißt übersetzt: gesandt – und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder

Wer hat gesündigt…? Also wer hat Schuld, fragen die Nachfolger Jesu.

Die Antwort Jesu ist verblüffend: Er antwortet sinngemäß: Keiner! Und darauf kommt es auch gar nicht an, denn es geht nur um euch, liebe Nachfolger – wie ihr agiert, wie ihr euch in dieser Situation verhaltet, was ihr macht oder eben unterlasst.

Im Evangelium haben wir gehört: Ihr seid das Licht der Welt. …

16 So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Und im Predigttext heißt es: V4 „Wir müssen die Werke …wirken.“
So eine Aussage kann einen unter Druck setzen – „Ihr seid das Licht der Welt“. Oder vielleicht sogar überfordern, wo doch jeder weiß, dass niemand perfekt ist.

Dabei kommt es eigentlich auch nicht auf Perfektion an. Ich glaube, es geht in erster Linie um eine Grundhaltung. Wie begegne ich mir und meinen Nächsten?!
In der Epistel haben wir ein Anhaltspunkt bekommen, wie das aussehen könnte.
Eph. 5,8b.9 Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

Ich bin davon überzeugt, dass auch kleine Taten in diesem Sinne wirken, ja diese Welt verändern. Wie ein Stein, der ins Wasser fällt und dann immer größere Kreise zieht oder wie ein Funke, der überspringt und ein großes Feuer entfacht. Die frohe Botschaft von Jesus Christus setzt Menschen in Bewegung. Lasst uns bei uns selbst anfangen, gütig, gerecht und der Wahrheit verpflichtet zu sein. Und nicht erst drauf zu warten, dass ein Anderer etwas macht. So kann christliches Leben Frucht bringen – im Kleinen und doch weitreichend – und so werden wir nicht unbemerkt bleiben.

Ihr seid das Licht der Welt… so lasst euer Licht leuchten. Amen.

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