Archiv Predigten

PredigtEN  der Ev. Kirchengemeinde Erfurt-Südost sind hier für einen Monat nach dem Erscheinen bzw nach dem jeweiligen Gottesdienst nachlesbar bzw nachhörbar

Ansprache zum Sonntag Palmarum am 28.3.2021

Ansprache zum Sonntag Palmarum am 28.3.2021

Einladung zum Gottesdienst Palmarum am 28.03.2021 ab 11 Uhr in der Gustav-Adolf-Kirche
mit Pfrn. Sydow
Lesen Sie hier ihre Ansprache zum Tag und lauschen Sie mit uns dem Lied "Holz auf Jesu Schulter" EG 97

Die Gnade Gottes, die Liebe Jesu Christie und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde,

wir feiern heute den Sonntag Palmarum, in der Evangelienlesung erinnerten wir den Einzug Jesu mit seinen Anhängern in Jerusalem, begeistert wurde er von vielen Menschen empfangen, wir wissen, dass der Jubel kurze Zeit danach in Hass und Ablehnung umschlug, er wurde verraten, verhaftet, gefoltert, verurteilt und am Kreuz hingerichtet.

Der Predigttext aus dem Hebräerbrief ( 12, 1 und 2 ) richtet sich an eine christliche Gemeinde, die in der zweiten Generation nach dem Tod Jesu lebte, das erwartete Weltende und die Wiederkunft Christie waren nicht eingetreten und so versuchen die Menschen, mit ihrem Leben und ihrem Glauben zurecht zu kommen. Sie haben sich wieder eingerichtet in der Welt, so wie wir als Christen uns auch in dieser Welt eingerichtet haben, mit Wohnungen, Familien, Beruf, Kindern, mit den Sorgen des Alltags. Manchmal kommt der Glaube und unsere persönliche Beziehung zu Gott zu kurz, manchmal scheint uns alle Spiritualität abhanden zu kommen, wir leben ganz auf der Oberfläche .

In diese Situation hinein hören wir die Worte aus der Bibel:

Darum, auch wir: weil wir eine solche Wolke von Zeugen uns uns herum haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens.

Das Bild des sportlichen Wettkampfes wird aufgenommen und umgedeutet auf den Weg des Glaubens. Laßt uns laufen in dem Kampf, der uns verordnet ist, eigentlich spricht mich das Bild des Kampfes nicht besonders an, wer will schon kämpfen für sich, für den Glauben , für andere , jeden Tag neu. Andererseits wenn ich morgens aufwache und mir noch eine halbe Stunde zum Kaffeetrinken Zeit lasse und den Tag, der vor mir liegt, überschaue und plane, da liegt mir das Bild des Kampfes schön näher. Es ist oft eine Anstrengung den Tag mit allen Forderungen zu bestehen, es ist ein Kampf der Disziplin und des Pflichtbewußtseins, nicht alles liegen zu lassen, sondern sich immer neu ans Werk zu machen.

Der Kampf, der uns verordnet ist, so wie es in der Bibel heißt, die Worte lassen sich sowohl auf unser Leben beziehen als auch auf unseren Glaubensweg, wir sollen uns anstrengen für unser Leben, wir sollen uns anstrengen für den Glauben und nicht einfach nur den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Drei Hinweise gibt uns der Verfasser dieser Zeilen mit auf den Weg, wie wir den Kampf des Lebens bestehen können:

Ablegen was uns hemmt und belastet, nach Wegen suchen, das Schwere zu teilen, ablegen , Gott übergeben, was uns das Herz schwer macht. Das ist der erste Rat, verbunden mit dem Hinweis auf die vielen Christen, die bereits vor uns lebten und die ihr Glaubensleben durchaus bestanden haben.

Der 2. Rat . Geduld haben, sich Zeit nehmen für sich, für das Leben, für den Glauben, für Gott und für andere Menschen. Nichts erzwingen, keine Ungeduld, Geduld und Ausdauer sind im Leben gefragt, nicht der kurze Sprint, sondern der gemäßigte Ausdauerlauf, um im Bild zu bleiben.

Der 3. Rat: zu Jesus aufsehen, zu schauen, was kann ich von ihm lernen, was sagt er mir heute , welche Worte von ihm treffen mein Herz, welche Sätze von ihm muß ich mir aufschreiben oder sie immer mal wieder lesen.

Ich möchte die Bedeutung der Zeilen aus dem Hebräerbrief noch einmal zusammenfassen:

In Kontakt bleiben mit anderen Christen und der Gemeinde,

nach dem schauen, was mich freut und stärkt, das tun, was dran ist,

das Schwere im Leben Gott anvertrauen ,

geduldig sein, sich Zeit nehmen und im Leben danach sehen, was wirklich wichtig ist.

Es gibt einen schönen alten Film „Antonias Welt“, da ist eine Szene, wo die Frauen des Dorfes unglücklich zusammensitzen und darüber sprechen, was alles Schlimmes geschehen ist und mitten hinein in diese Mutlosigkeit, sagt die alt gewordene Antonia: es muss gelebt werden und steht auf und wendet sich wieder ihren Aufgaben zu.

Laßt uns laufen, in dem Kampf, der uns verordnet ist.

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus . Amen

 

Text: Jürgen Henkys (1973) 1977 nach dem niederländischen "Met de Boom des Levens" von Willem Barnard 1963,
Melodie: Ignace de Sutter 1964,
Evangelisches Gesangbuch Nr. 97, 
Aufgenommen in der evangelisch-lutherischen Marienkirche in Geestemünde (Bremerhaven)
Quelle: Youtube / detlefkorsen
 
Pfarrerin Sydow
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