Archiv Predigten

PredigtEN  der Ev. Kirchengemeinde Erfurt-Südost sind hier für einen Monat nach dem Erscheinen bzw nach dem jeweiligen Gottesdienst nachlesbar bzw nachhörbar

Liturgische Morgenandacht am 12.7.2020

Liturgische Morgenandacht am 12.7.2020

9.30 Uhr Gustav-Adolf-Kirche
11.00 Uhr Lukaskirche
Pfarrerin Sydow

DAS EVANGELIUM NACH LUKAS (LK 5,1-11)

Der Fischzug des Petrus

5 1 Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, zu hören das Wort Gottes, da stand er am See Genezareth.
2 Und er sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.
3 Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus.
4 Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!
5 Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.
6 Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen.
7 Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen helfen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken.
8 Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch.
9 Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten,
10 ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.
11 Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.

Ansprache zum 12.7.2020

Die Gnade Gottes, die Liebe Jesu Christie und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde,

im heutigen Predigttext aus Lukas 5, den Versen 1-11 wird uns eine bekannte Geschichte erzählt.

In meinem Elternhaus, im Pfarrhaus in Straußfurt,  , hing im Wohnzimmer das Abbild eines Holzschnittes zu eben dem erzählten Fischzug des Petrus, gestaltet von dem im 20. Jahrhundert bekannten Grafiker Frans Masereel. Groß waren die Augen von Petrus gestaltet, die Arme gingen über in ein Netz, in dem es viele Fische gab. Petrus, das Netz und die Fische waren wir ein einziges Großes. Mit diesem Bild vor Augen bin ich aufgewachsen und als ich begann, mich mit dem Predigttext zu beschäftigen fiel mir das Bild wieder ein.

Die Geschichte vom Fischzug und von der Berufung des Petrus in die Gefolgschaft von Jesus ist bekannt, vielleicht so bekannt, daß man garnichts Neues mehr entdecken mag.

Für mich hat die biblische Erzählung 4 Ebenen, an denen wir uns ansprechen und berühren lassen können, 4 Ebenen, an denen die Geschichte mit unserem Leben zu tun hat.

Da ist die erste Ebene: die Erfahrung von Vergeblichkeit, vergeblich mühten Petrus und seine Kollegen sich darum, Fische zu fangen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern: die ganze Nacht hindurch haben wir uns bemüht und nichts gefangen, sagt Petrus zu Jesus.

Den ganzen Tag habe ich gearbeitet und doch nichts erreicht, sagen wir manchmal.

Den ganzen Tag habe ich Verordnungen gelesen und versucht umzusetzen und am nächsten Tag galten sie nicht mehr, sagt die Leiterin des Kindergartens.

Ich habe mich so angestrengt, um meinen kleinen Betrieb aufzubauen und bin dann doch pleite gegangen, sagt der mittelständische Unternehmer.

Wir kennen alle die Liste vergeblicher Bemühungen in unserem Leben und wir wissen, wie frustrierend das sein kann. Den ganzen Tag haben wir gearbeitet und doch nichts erreicht.

Die zweite Ebene, auf der uns der Bibeltext erreichen kann, ist die Berufung eines doch ziemlich untauglichen Mitarbeiters. Petrus wird berufen und sofort sagt er , daß er nicht geeignet ist. Und das stimmt auch irgendwie, den heutigen Maßstäben eines guten Mitarbeiters entspricht Petrus nicht, später wird er versuchen Jesus bei der Verhaftung mit Gewalt zu verteidigen und noch später wird er bestreiten, Jesus jemals gekannt zu haben. Loyalität sieht anders aus.

Manchmal denken wir ja über andere Mitchristen oder auch über den Pfarrer, daß sie nicht geeignet sind, daß sie zuviele Schwächen haben und an zuvielen Stellen kritikwürdig sind. Die Bibel sagt uns, Gott nimmt auch Menschen mit Schwächen an sein Herz und in seinen Dienst. Vielleicht kann uns diese Erkenntnis manchmal ein wenig langmütiger machen anderen gegenüber.

Kommen wir zur dritten Ebene:

Petrus wird eine neue Aufgabe im Leben zugemutet, er soll nicht länger Fischer sein, sondern Menschenfischer, Begleiter und Anhänger an Jesu Seite.

Wie oft wurde Ihnen zugemutet, Ihr Leben zu ändern? Und was waren die Risiken und die Chancen dabei? Petrus jedenfalls wird durch die Berufung in den Jüngerkreis die wichtigsten und bedeutensten Jahre seines Lebens erleben, weil er sich der Aufgabe, der Veränderung, der Berufung nicht verweigert hat, sondern ihr folgte.

Auch in unserem Leben wird es solche Weichenstellungen gegeben haben, wo wir einem Ruf folgten oder eben auch nicht.

Und nun spreche ich über die 4. Ebene, das ist die des Netzes. Ein Netz kann zur Sicherheit sein, ein Netz verbindet, ein Netz kann auch einengen und zum Tod führen.

Gehen wir aber von einer positiven Deutung des Netzes und des „Menschen fischens“ aus, dann sprechen wir über Bindung und Verbindung, über soziale und religiöse Netzwerke und wir sprechen schließlich auch über das Netz, das uns in der Gemeinde Jesu Christie verbindet.

Das unser Netz noch besser sein müßte, das es noch mehr Menschen erreicht und verbindet, darüber sind wir uns wahrscheinlich einig.

Aber das wir überhaupt ein Netz haben, ist ganz wichtig,

haben doch die Verbindungen des Kirchencafes auch in den Zeiten des verbotenen Kontakts gehalten.

Ihre familiären Bindungen werden Sie vielleicht getragen haben durch die letzten Wochen und Monate, Freunde und Freundinnen werden den Kontakt zu Ihnen gehalten haben, in schweren Zeiten erst erfahren wir hautnah, wie sehr wir eingebunden sind in Netze der Familie, der Gemeinde, der Freunde und Nachbarn.

Und so ist die Geschichte vom Fischzug des Petrus eine Geschichte der Hoffnung, an der wir mit unserem eigenen Leben auch andocken können,

denn biblische Hoffnung ist mehr als psych. Selbstermunterung und positives Denken, Petrus bleibt nicht bei sich und seinem Leben, sondern er öffnet sich für Jesus, für das Neue, das da kommt und er öffnet sich zugleich damit für eine heilende und positiv gestalterische Lebenskraft und diese Öffnung hat seinem Leben eine große Bedeutung verliehen, weit über das historisch gelebte Leben von Petrus hinaus. Auf dein Wort hin will ich es versuchen, das ist der vielleicht wichtigste Satz in der biblischen Geschichte, auf dein Wort hin will ich es versuchen.

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

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