Predigttexte  der Ev. Kirchengemeinde Erfurt-Südost sind hier für einen Monat nach dem Erscheinen nachlesbar bzw nachhörbar

Predigt zum 17. Mai 2020

Administrator on 16 May 2020

Predigt zu Mt 6, 5-15

Liebe Schwestern und Brüder,

auch wenn Ostern schon wieder so weit weg scheint, befinden wir uns noch im Osterfestkreis. In der frühen Kirche wurde diese Zeit geprägt von Texten, die den Neugetauften, die sich zu Ostern haben taufen lassen, also den Neu-Einsteigern im Glauben, helfen sollten, ihr Glaubensleben zu gestalten und zu ordnen. Diese Themenschwerpunkte haben wir bis in heutige Zeit beibehalten. So begleiteten uns in den letzten vier Wochen folgende Themen: Neugeboren, Der gute Hirte, Das Alte ist vergangen – Siehe Neues ist geworden, Singet dem Herrn ein neues Lied – Loben und Danken und heute: Betet.

Das Gebet ist wirklich ein sehr spannendes Thema. Würde man 10 Christen aus unterschiedlichen Glaubenstraditionen dazu befragen, würde man wahrscheinlich unterschiedlichste Antworten bekommen. Auf der Internetseite Religionen entdecken stellt ein Nutzer, vielleicht auch deshalb, folgende Frage: Wann beten Christen?

Die Antwort der Redaktion: Christen beten im Gottesdienst. Manche von ihnen sprechen auch vor dem Essen ein Tischgebet oder vor dem Schlafen ein Abendgebet. Außerdem beten viele einfach dann, wenn ihnen danach zumute ist. …          
( https://mobil.religionen-entdecken.de/eure_fragen/wann-beten-christen)

Wie handhaben Sie es mit dem Gebet?! Haben Sie feste Rituale wie beispielsweise ein Tischgebet oder beten Sie lieber spontan? Gehört Beten zu ihrem Alltag ganz selbstverständlich dazu oder fehlt Ihnen der Zugang und Sie beten gar nicht?

Ich stelle bei meiner Arbeit immer wieder fest, dass viele mit Gebet nicht viel anfangen können. Wenn ich z. B. in der Kinderkirche bete, schauen mich die Meisten mit großen Augen an. Ich denke das liegt daran, dass sie selten jemanden dabei erleben.  Gerade auch in ihrem familiären Umfeld, hat Gebet oft keinen Platz. Obwohl sie getauft sind, kennen sie keine Gebetspraxis. Ihnen fehlen einfach Vorbilder. Dies ist bei Konfirmanden oft nicht anders.

Aber gerade beten ist ein Schlüsselmoment für den Glauben. Wir haben die unglaubliche Möglichkeit, durch das Gebet den Glauben an Gott von einer fernen Dimension in unser Leben einfließen zu lassen. Glaube bleibt dadurch kein theoretisches Konstrukt, sondern wird lebendig.

9 Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.

10 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. (Lk 11,9-10)

So haben wir im Evangelium gelesen. Christus selbst macht uns deutlich, nur wer betet, kann auch eine „Gebetserhörung“ erleben - „Denn wer da bittet, der empfängt…“. Dabei geht es gar nicht um schöne oder viele Worte. Es geht vielmehr um den Akt (das Tun), denn wenn wir uns Zeit für das Beten nehmen, dann nehmen wir uns Zeit für Gott. Das sind die heilsbringenden Momente in unserem Leben, wo letztlich nicht wir die Akteure sind, sondern Gott selbst. Sören Kierkegaard hat dies wie folgt beschrieben: „Allmählich, wie er innerlicher und innerlicher wurde im Gebet, hatte er weniger und weniger zu sagen, und zuletzt verstummte er ganz. Er ward stumm, ja, was dem Reden vielleicht noch mehr entgegengesetzt ist als das Schweigen, er ward ein Hörender.
Er hatte gemeint, beten sei reden; er lernte: beten ist nicht bloß schweigen, sondern ist hören. Und so ist es denn auch; beten heißt nicht, sich selber reden zu hören, sondern heißt dahin kommen, dass man schweigt, und im Schweigen verharrt, und harren, bis der Betende Gott hört.“

Ich denke, so ist auch unser Predigttext (aus  Mt 6,5ff) zu verstehen, wenn Christus sagt: „Wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern…“ (Vers 7) oder „ …Ihr sollt nicht … stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen.“ Es geht bei Gebet nicht um Profilierung vor anderen, sondern es geht um Gott und uns. Aber Christus sagt auch deutlich, dass wir beten sollen. Es nicht zu tun, ist keine Alternative!

So spricht Christus: Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. 10 Dein Reich komme. etc. (Mt. 6,9 ff) Manche Situation braucht das persönliche Reden mit Gott. Manches braucht einfach nur ein Vaterunser. Aber sicher ist, es braucht Gebet, es braucht diese Zeit mit Gott. Amen

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